Emotionale Laumann-Rede „Der liebe Gott wird sagen: Ihr wart gute Leute, kommt in den Himmel“

Düsseldorf · Der NRW-Sozialminister hält ein emotionales, selbstkritisches Plädoyer für einen stärkeren Kampf gegen Kinderarmut. Und greift dabei gegen die Linie der CDU Vorhaben anderer Parteien auf.

  Karl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, sitzt im Landtag auf der Regierungsbank.

Karl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, sitzt im Landtag auf der Regierungsbank.

Foto: dpa/Marius Becker

Der Münsterländer Karl-Josef Laumann (CDU) ist berühmt und berüchtigt für unterhaltsame Reden. Das hat er am Donnerstagmorgen bei einer Landtagsdebatte über die Armutsbekämpfung einmal mehr unter Beweis gestellt. Der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales zeigte sich dabei extrem selbstkritisch: „Wir haben es bislang in Deutschland nicht gut genug hingekriegt, dass Kinder, die aus bescheidenen Verhältnissen kommen, die vielleicht nicht so ein gutes Elternhaus haben, so dass sie gefördert werden zu Hause, eine wirklich Aufstiegschance durch Bildung haben.“

Und deswegen sei er – und da könne seine Partei auch sagen, was sie wolle – ein Mensch, der die Idee einer Kindergrundsicherung für richtig halte. Man gebe ganz viel Geld aus – über die Grundsicherung, über Schulbedarfspakete, über die Jugendhilfe. Aber man kriege es irgendwie nicht gebündelt. „Und dann gibt es ganz schlaue Leute, die kotzen mich an, die sagen: ,Wenn Du den armen Leuten mehr Geld gibst, dann versaufen und verrauchen die das und geben es nicht den Kindern.’“ Es gebe jedoch keine einzige Studie, die das belege.

„Und wenn ich im Sommer so unterwegs bin... Ich esse unheimlich gerne Eis“, sagte Laumann unter dem Gelächter der Abgeordneten. Und fügte hinzu: „Ja, ich mag auch ganz gerne Bier, aber Eis mag ich auch.“ Er stelle sich dann Folgendes vor: „Du selbst bist arm und hast ein kleines Kind an der Hand und musst einen Bogen um eine Eisdiele machen.“ Das Eis in der Diele sei zu teuer. „Das macht mich traurig“, so der Minister. „Und deswegen, finde ich, ist die Sache mit der Kindergrundsicherung richtig.“

Zugleich verlangte er, dass arme Kinder einen Chance auf Aufstieg durch Bildung haben müssten: „Wir haben einen Arbeitsmarkt, der Fach- und Arbeitskräfte sucht. Verdammt noch mal!“ Laumann kündigte an: „Wir müssen jetzt einfach mal mit der Wirtschaft auch darüber reden – und das werde ich tun: Können wir nicht in Nordrhein-Westfalen einen Pakt hinbekommen, bei dem wir sagen, jedes Kind, das aus der Schule kommt, muss eine Lehrstelle kriegen.“

Laumann äußerte sich skeptisch zur Armutskonferenz seiner eigenen Landesregierung, aber er müsse da ja hingehen. „Es ist ja immer schön, über Armut zu schwadronieren, wenn man selber ganz weit davon weg ist.“ Es sei deshalb aber gut, ein Zeichen zu setzen. „Das wollte ich heute in meiner Rede einfach mal deutlich machen. Und deshalb habe ich auch frei gesprochen und nicht das erzählt, was man mir aufgeschrieben hat.“ Er nehme das Problem ernst und sei traurig, dass man in all den Jahren in der Politik das Problem nicht gelöst habe. Deshalb dürfe man aber nicht nachlassen. „Und wenn wir das hinkriegen und wir sind dann mal irgendwann tot und kommen in den Himmel, da bin ich mir sicher, wird der liebe Gott sagen: ,Ihr wart gute Leute ihr kommt im Himmel an.‘ Aber wir müssen es machen.“

Bei der SPD, die für die Debatte mit einem Antrag gesorgt hatte, kamen Laumanns Ausführungen gut an. „Ich bin Ihnen sehr, sehr dankbar für das, was Sie hier gesagt haben. Und ich habe heute häufig geklatscht bei Ihrer Rede“, sagte Lena Teschlade, Sprecherin für Arbeit und Soziales ihrer Fraktion. „Und wir werden Sie beim Wort nehmen.“

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