Kampf gegen Kinderpornografie: NRW setzt jetzt auf künstliche Intelligenz

Neues Forschungsprojekt : Deshalb setzt NRW gegen Kinderpornografie jetzt auf Künstliche Intelligenz

Das NRW-Justizministerium hat ein neues Forschungsprojekt im Kampf gegen Kinderpornografie gestartet. Künstliche Intelligenz soll Ermittlern beim Sichten und Auswerten von Bildmaterial helfen.

Das Projekt startet an diesem Montag. Kinderpornographisches Bildmaterial soll mithilfe des Forschungsprojekts deutlich schneller erkannt und ausgewertet werden, erklärte das NRW-Justizministerium in Düsseldorf. Die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW) ist bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelt. In dem bundesweit einzigartigen Projekt arbeiten unter anderem Microsoft Deutschland, Wissenschaftler und Wirtschaft zusammen.

Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sagte, der Kampf gegen Kinderpornografie werde heutzutage fast ausschließlich digital geführt. „In der digitalen Welt kann kein Akteur allein erfolgreich sein“, betonte er. Interdisziplinäre Allianzen seien die Zukunft neuer Handlungsoptionen der Strafverfolger.

Staatsanwälte stünden bei Ermittlungen und in Strafverfahren wegen Kindesmissbrauchs und des Verdachts der Verbreitung oder des Besitzes sogenannter kinderpornographischer Schriften vor überbordenden Datenmassen, sagte Biesenbach. In jedem Einzelfall sei das sichergestellte Beweismittel zu überprüfen. Besonders kinder- und jugendpornographisches Material müsse möglichst effizient von anderen Dateien unterschieden werden.

Nach den Worten von Markus Hartmann, Leiter der ZAC NRW, ist bislang der Anteil manueller Auswertearbeit sehr hoch. „Dies führt zu einem hohen Zeit- und Personalansatz für die Auswertung“, sagte der Oberstaatsanwalt. Zudem müssten die Datenträger zeitgerecht ausgewertet werden, da sonst das Risiko bestehe, dass die Ermittler die Beweismittel zurückgeben müssen, bevor sie das kinderpornographische Material sicherstellen konnten.

Der Umgang mit kinderpornographischem Datenmaterial unterliegt den Angaben zufolge sehr weitgehenden rechtlichen Einschränkungen. Techniken künstlicher Intelligenz auf Basis von Cloud Computing und neuronalen Netzen durften bislang nicht angewendet werden. Die Projektpartner entwickelten daher eine hybride Cloudinfrastruktur, wie es hieß: Die sensiblen Daten werden ausschließlich auf Rechnern der Justiz verarbeitet. Dabei werden sie laut Ministerium so weit dekonstruiert, dass sie eine auf die Erkennung kinderpornographischen Materials spezialisierte künstliche Intelligenz in der Cloud weiter trainieren.

(hebu/epd)
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