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Kampf gegen Corona: Wieder Maskenpflicht im Unterricht in NRW

Kampf gegen Corona : Wieder Maskenpflicht im Unterricht

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst regt unter anderem die Vorbereitung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht an. Früher als geplant beraten zudem an diesem Dienstag Länderchefs und Bundesregierung bei einer Videoschalte.

In Nordrhein-Westfalen will Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) nun doch zur Maskenpflicht im Klassenzimmer zurückkehren. Angesichts der aktuellen Entwicklung des Infektionsgeschehens und der neu aufgetretenen Virusmutation trete der Infektionsschutz wieder verstärkt in den Vordergrund, begründete Gebauer die Kehrtwende. Sie werde dem Kabinett daher die Rückkehr zur Maskenpflicht am Sitzplatz für alle Schulen empfehlen, so die Ministerin.

Die Landesregierung hatte die Maskenpflicht am Sitzplatz erst am 2. November aufgehoben mit der Begründung, dass die Infektionslage dies zulasse. Lehrer-, Eltern- und selbst Schülervertretungen hatten sich seinerzeit dagegen ausgesprochen. Der weit überwiegende Teil der Schüler trug die Maske freiwillig weiter. Gebauer beteuerte am Montag: „Meine oberste Priorität ist und bleibt es, die Schulen offenzuhalten und den Präsenzunterricht zu sichern.“ Ein Unterricht „von Angesicht zu Angesicht“ bleibe aus päda­gogischer Sicht wünschenswert und auch wichtig. Eine neue Studie des der Bundesagentur für Arbeit angegliederten Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegt die große Bedeutung des Präsenzunterrichts. Demzufolge nahm die Lebenszufriedenheit des ersten Pandemie-Abiturjahrgangs 2020 durch Digitalunterricht an Schulen und Hochschulen so deutlich ab, wie es sonst normalerweise in Kriegsgebieten zu messen sei.

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Bei der Maskenpflicht allein wird es nicht bleiben. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) erklärte, die Lage erfordere zügiges, entschlossenes und vor allem geschlossenes Handeln. Die Wissenschaft liefere klare Empfehlungen, und die Ausbreitung der Corona-Variante Omikron führe hoffentlich jedem vor Augen, dass man keine Zeit verlieren könne: „Einheitliche Standards für deutliche Kontaktreduzierungen, die Vorbereitung einer allgemeinen Impfpflicht, das Bereitstellen von Wirtschaftshilfen für mögliche weitere Einschränkungen und die Einrichtung des neuen Krisenstabes beim Bund – all das müssen Bund und Länder dringend gemeinsam besprechen.“ Am Nachmittag wurde bekannt, dass sich Bund und Länder bereits für Dienstag zu einer Videoschalte mit Kanzlerin Angela Merkel und Olaf Scholz verabredet haben. Ursprünglich war diese erst für den 9. Dezember geplant.

NRW-Oppositionsführer Thomas Kutschaty warf Wüst erneut Zögerlichkeit vor. Dieser habe mit dem Bundesinfektionsschutzgesetz alle Instrumente auch für schärfere Maßnahmen in der Hand. Kutschaty verlangte unter anderem Geisterspiele sowie das Schließen von Clubs, Bars und Diskotheken. Für Ungeimpfte sollten nach Vorstellung der SPD nur noch Kontakte zwischen zwei Haushalten mit maximal zehn Personen erlaubt sein.

Zuletzt hatte die Ausbreitung der Omikron-Variante Unruhe in NRW verursacht. Verdachtsfälle waren unter anderem in Düsseldorf, Essen und in Rees (Kreis Kleve) aufgetreten. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) sagte unserer Redaktion: „Es gibt noch viele Fragezeichen rund um die neue Variante. In Essen gibt es einen Verdachtsfall.“ Das Ergebnis der Sequenzierung werde am Dienstag vorliegen.

Vom Land erwarte er ein einheitliches Vorgehen und einheitliche Maßnahmen, um einen Flickenteppich zu vermeiden, sagte der CDU-Politiker: „Darüber hinaus sollte die Impfkampagne ausgeweitet werden.“ Das heiße, auch Zahnarztpraxen und Apotheker sollten impfen können. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) sagte: „Nicht nur wegen Omikron, sondern angesichts der Situation in den Kliniken ist es dringend geboten, dass Bund und Länder Dienstag über weitere Maßnahmen beraten.“

Wüst kündigte bei Ntv Konsequenzen aus den massenhaften Verstößen gegen die Maskenpflicht beim Spiel Köln gegen Gladbach an: „Solche Bilder darf es nicht noch einmal geben. Wir werden unsere Werkzeuge dazu nutzen, das auch zu verhindern.“ Statt für Geisterspiele sprach er sich für eine deutliche Reduktion der Zuschauer aus. Rückendeckung bekam er dafür von den NRW-Grünen. Diese forderten zudem, dass alle positiven Tests auf Virusmutationen untersucht werden müssten.