Landesregierung in Düsseldorf: Kabinettsbeschluss verbietet Jagd auf Katzen

Landesregierung in Düsseldorf : Kabinettsbeschluss verbietet Jagd auf Katzen

Mit einem Gesetz will die rot-grüne Landesregierung den Naturschutz im Jagdrecht des Landes Nordrhein-Westfalen stärken. Der Gesetzesentwurf, den das Kabinett von Hannelore Kraft am Dienstag beschlossen hat, sieht gleich mehrere Verbote vor. Das Gesetz soll im Frühjahr 2015 im Landtag verabschiedet werden.

Verboten werden sollen sogenannte Totschlagfallen. Außerdem sollen Jäger ihre Hunde nicht mehr in den Bau von Füchsen und Dachsen schicken dürfen. Jagdhunde dürfen dem Entwurf zufolge nicht mehr an Enten ausgebildet werden, die mit Manschetten flugunfähig gemacht wurden.

Katzenpopulation nicht Aufgabe der Jäger

Wie NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) ankündigte, soll Jägern außerdem verboten werden, Hauskatzen zu schießen. Jährlich werden in NRW rund 9000 Katzen geschossen. Die Regulierung der Katzenpopulation sei aber keine Aufgabe für Jäger, sagte Remmel. "Die Kommunen können in ihren Satzungen eine Kastrationspflicht vorschreiben."

Der Abschuss wildernder Hunde wird nur noch in Ausnahmefällen erlaubt sein, wenn mildere Mittel nicht möglich sind. Kleine Hunde, die gar kein Wild reißen könnten, dürfen grundsätzlich nicht getötet werden.
Im vergangenen Jagdjahr seien in NRW 70 Hunde geschossen worden, sagte Remmel. Außerdem soll das "Jedermannsrecht" gestrichen werden, wonach jeder auf dem eigenen Grundstück Kaninchen töten darf.

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Tierschützer begrüßen Beschluss

Tier- und Umweltschützer begrüßten einen "Paradigmenwechsel zugunsten des Tierschutzes". Der Landesjagdverband sieht den Entwurf dagegen mit gemischten Gefühlen. Immerhin werde die Jagd in NRW nicht abgeschafft, stellte Verbandspräsident Ralph Müller-Schallenberg in einer Mitteilung fest. Die Abschaffung der Baujagd, Einschränkungen in der Hundeausbildung sowie beim Abschuss wildernder Katzen und Hunde lehnen die Jäger aber ab.

"Die Jahrtausende alte Tradition der Jagd soll nicht geschwächt oder diskreditiert werden", betonte Remmel. Vielmehr gehe es darum, ihre gesellschaftliche Akzeptanz durch eine Anpassung an den Wertewandel zu stärken. So seien bestimmte althergebrachte Jagdmethoden nicht mehr mit dem modernen Tierschutz zu vereinbaren, der 2002 immerhin Verfassungsrang erhalten habe.

Deswegen soll die Liste der jagdbaren Arten neu festgelegt werden. Neu aufgenommen werden soll der amerikanische Nerz (Mink), der sich in Mitteleuropa stark ausgebreitet habe, sagte Remmel. Außerdem wird die Jagdzeit auf Rehböcke verlängert. Der Grundsatz laute: "Wald vor Wild." Aus waldbaulichen Gründen müsse der Reh-Bestand gesenkt werden.

Bleihaltige Munition wird verboten

Das Jagen mit bleihaltiger Munition soll aus Umweltschutz- und Gesundheitsgründen mit Übergangsfristen verboten werden. Wer an einer "Bewegungsjagd" teilnehmen will, muss einen Schießnachweis über seine Fähigkeiten erbringen. Unterbinden soll das neue Jagdrecht "das sportliche Massenschießen auf Rabenkrähen".

CDU und FDP äußerten sich enttäuscht über den Entwurf, der nun zunächst den Verbänden vorgelegt wird. "Mit diesem Jagdgesetz werden Wildschäden in den Gärten und auf den Feldern ansteigen und Tierseuchen wie Schweinepest und Fuchsräude schwerer einzudämmen sein", meinte der umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Rainer Deppe.

Die CDU kritisiert zudem, dass künftig auch juristischen Personen - wie zum Beispiel Tier- und Naturschutzverbänden - erlaubt werden soll die Jagd auf ihren Grundstücksflächen zu verbieten. "Damit wäre eine flächendeckende Jagd in Nordrhein-Westfalen nicht mehr möglich." Die FDP sieht ökologische "Klientelinteressen bedient".

Remmel unterstrich: "Nordrhein-Westfalen ist kein Sonderfall." In vielen Ländern würden die Landesjagdgesetze modernisiert. Einige Regelungen des Landesjagdrechts stammen noch aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

(lnw)