Kommentar: Jetzt also Armin Laschet

Kommentar : Jetzt also Armin Laschet

Sieben Wochen nach der schweren Niederlage bei der Landtagswahl hat die nordrhein-westfälische CDU einen neuen Parteichef. Mit 488 von 629 abgegebenen Stimmen wurde Armin Laschet am Samstag auf einem Parteitag in Krefeld zum Nachfolger von Norbert Röttgen gewählt. Dazu ein Kommentar von Detlev Hüwel.

Sieben Wochen nach der schweren Niederlage bei der Landtagswahl hat die nordrhein-westfälische CDU einen neuen Parteichef. Mit 488 von 629 abgegebenen Stimmen wurde Armin Laschet am Samstag auf einem Parteitag in Krefeld zum Nachfolger von Norbert Röttgen gewählt. Dazu ein Kommentar von Detlev Hüwel.

Jetzt also Armin Laschet. Vor dem neuen CDU-Landesvorsitzenden liegt eine wahre Herkulesaufgabe. Er muss die bis ins Mark erschütterte Partei wieder aufrichten, muss ihr wieder Mut und Selbstvertrauen geben.

Doch Laschet hat nicht die ganze Partei hinter sich, wie das recht magere Wahlergebnis von gerade mal 80 Prozent offenbart. Es ist aber ein ehrliches Ergebnis, das zeigt, dass die nordrhein-westfälische CDU nach ihrer schweren Wahlniederlage und dem Rückzug von Norbert Röttgen innerlich gespalten ist.

Die längst getroffene Entscheidung, es vorerst bei der Doppelspitze zu belassen - hier der Parteichef, dort Karl-Josef Laumann als Vorsitzender der Landtagsfraktion - ist angesichts der derzeitigen desolaten Lage wohl angemessen, um neue Personalquerelen zu vermeiden. Auf Dauer aber kann sie kein Erfolgsmodell sein.

Die Opposition braucht eine Adresse, braucht einen Vorsitzenden, der die Partei verkörpert und auf den alles zuläuft. Genau dies kann die CDU der nordrhein-westfälischen SPD abschauen, die Hannelore Kraft mit dieser Bündelung der Ämter nach vorn gebracht hat. Auch Jürgen Rüttgers war Partei- und Faktionschef - und bei der Wahl 2005 erfolgreich.

Es hilft also alles nichts: Irgendwann wird sich die NRW-CDU entscheiden müssen, wie und mit wem sie sich auf die nächste Landtagswahl, die voraussichtlich in fünf Jahren stattfindet, vorbereiten will. Wahrscheinlich wird sie dies nach der Bundestagswahl 2013 tun (müssen).

Nach Lage der Dinge wird Laschet dann der Spitzenkandidat für 2017 sein. Bis dahin kann er sein Profil weiter schärfen und auch diejenigen in der Partei hinter sich bringen, die ihm jetzt noch mit Skepsis gegenüberstehen. Verklausuliert hat er in Krefeld bereits seinen Anspruch angemeldet, stellvertretender Vorsitzender der Bundespartei zu werden und auch hier die Nachfolge von Röttgen anzutreten.

Mit seiner Abschiedsrede als Landesvorsitzender hat Norbert Röttgen noch einmal deutlich gemacht, dass er das Zeug hätte, der rot-grünen Landesregierung als Oppositionsführer Paroli zu bieten - und der Union wieder eine Machtperspektive zu geben.

Dazu hätte sich Röttgen allerdings von Anfang an eindeutig für die Landespolitik entscheiden müssen, hätte nach der Wahlniederlage wie sein Vorgänger Jürgen Rüttgers fünf Jahre lang Kärrnerarbeit im Landtag leisten müssen. Doch Röttgen hat auf Sieg gesetzt und wollte nur als Ministerpräsident nach Düsseldorf kommen.

Daran hauptsächlich sind er und die gesamte Partei im Wahlkampf krachend gescheitert. Mit nur 26 Prozent hat die NRW-CDU so schlecht abgeschnitten wie nie zuvor.

Eigentlich wäre der 34. Landesparteitag ein geeignetes Forum für eine Diskussion darüber gewesen. Doch daran bestand offensichtlich kein Interesse. Von den mehr als 600 Delegierten meldeten sich nur zwei zu Wort.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Armin Laschet - früher ein junger Wilder

(RP/csr/pst)