Israel: Armin Laschet gedenkt der Holocaust-Opfer

NRW-Ministerpräsident in Yad Vashem : Armin Laschet gedenkt der Holocaust-Opfer

Der NRW-Ministerpräsident besucht Yad Vashem und wird auf seiner Israel-Reise von ranghohen Politikern empfangen. Im Gespräch mit Regierungschef Benjamin Netanjahu geht es vor allem um Sicherheits- und Wirtschaftsfragen.

Es gibt Momente, in denen es schwerfällt, das Unfassbare mit Worten greifbar zu machen. Wer in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem durch das Mahnmal für die ermordeten Kinder geht, von der Dunkelheit erfasst wird und die Stimme vernimmt, die Namen für Namen jener eineinhalb Millionen Mädchen und Jungen verliest, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, verfällt unweigerlich in Sprachlosigkeit.  Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) findet dennoch die richtigen Worte, die er später in das Gedenkbuch am Ausgang schreibt. „Erinnerung mahnt, Verantwortung bleibt, Zukunft schafft Hoffnung“, lautet seine Botschaft. Der Besuch der zentralen Gedenkstätte an die Opfer des Holocaust in Jerusalem ist wohl der emotionalste Programmpunkt der knapp dreitägigen Israel-Reise des Ministerpräsidenten.

Obwohl das Zeitfenster eng ist an diesem hochsommerlichen Mittwoch und die Termine dicht getaktet sind, lässt sich Laschet nicht drängen. Sichtlich bewegt folgt er den Ausführungen der Museumsmitarbeiterin, deren Großeltern im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet wurden. Ein ums andere Mal fragt er nach, hält gedankenverloren inne. Als der Isrelin, die in der tschechischen Hauptstadt Prag aufwuchs, in Erinnerung an das Leid der eigenen Familie die Stimme versagt und schnell in den nächsten Ausstellungsraum weitereilt, fällt es auch dem Politiker schwer, Haltung zu bewahren. In seiner Widmung bemüht Laschet den deutschen Schriftsteller Heinrich Heine, um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen: „Anfangs wollt ich fast verzagen, und ich glaubt’ ich trüg’ es nie, und ich hab’ es doch getragen – aber fragt mich nur nicht, wie?“ Gemeinsam mit dem nordhrein-westfälischen Landtagspräsidenten Andre Kuper (CDU), der parallel mit einer eigenen Delegation nach Israel gereist ist, legt Laschet in der Halle der Erinnerung einen Kranz nieder und entzündet das ewige Feuer im Gedenken an sechs Millionen ermordeter Juden.

Dennoch ist es der Blick nach vorn, der die deutschen Besucher hoffnungsfroh stimmt. „Wenn wir es schaffen, dass Eltern ihre Kinder so erziehen, dass sie aufbegehren gegen Unrecht, so wie es zahllose Menschen im Kampf gegen die Nazis taten, die Juden versteckten, dann sind wir auf dem richtigen Weg“, gibt die Museumsmitarbeiterin den Gästen aus Deutschland mit auf den Heimweg.

In die Zukunft gerichtet ist bereits am Vormittag ein anderer Programmpunkt der Reise. Benjamin Netanjahu empfängt Armin Laschet in seinem Amtssitz in Jerusalem. Der israelische Regierungschef würdigt in dem anderthalbstündigen Gespräch die Entschlossenheit, mit der die deutsche Politik und der größte Teil der Gesellschaft gegen antisemitische und rechtsradikale Vorfälle vorgehen. Die Vorfälle in Chemnitz seien aber nicht zur Sprache gekommen, berichtet Laschet im Anschluss.

Stattdessen seien unter anderem Möglichkeiten der wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit ausgelotet worden. So habe Netanjahu erläutert, dass dank israelischer Nachrichtendienste bereits über 40 Anschläge in Europa verhindert werden konnten. Israel sei nach dem Silicon Valley „der Ort, wo die größte Innovation weltweit entsteht“, sagt Laschet nach dem Treffen. Wirtschaftliches Kooperationspotenzial sehen die beiden Politiker auf den Feldern der künstlichen Intelligenz, bei Techniken zur Verarbeitung von Massendaten und bei der zivilen Anwendung von Militärtechnik etwa im Geschäft mit Drohnen. NRW will den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch mit Israel durch eine eigene Repräsentanz fördern, die in Tel Aviv entstehen soll.

Netanjahu sei äußerst argumentativ, was er in dem Gespräch immer wieder mit visualisierten Tabellen und anderen Grafiken unterstrichen habe, berichtet Laschet. „Ein ansteckender Politikstil“, sagt der NRW-Ministerpräsident über Netanjahu. Das Treffen gilt in diplomatischen Kreisen als große Auszeichnung für den NRW-Ministerpräsidenten, weil offizielle Treffen zwischen ausländischen Staats- und deutschen Länderchefs selten sind. Zumal Laschet am Nachmittag auch mit dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin zusammentrifft, der wegen einer akuten Erkrankung derzeit kaum Termine wahrnimmt.

Mehr von RP ONLINE