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NRW auf dem Weg zum Urnengang: Im Netz läuft der Wahlkampf auf Hochtouren

NRW auf dem Weg zum Urnengang : Im Netz läuft der Wahlkampf auf Hochtouren

Am Mittwoch löste sich der Düsseldorfer Landtag auf. Sofort legten Parteien, Mitglieder und Anhänger im Netz los. Bei Twitter, Facebook und Co hat der Wahlkampf längst begonnen. Wir haben uns einmal umgeschaut.

"Tag 1: Heute sollen es 16° C werden und eine Vogelfamilie hat direkt vor unserem Fenster ihr Nest gebaut. Wenn das kein Zeichen ist", twittert die NRW-Fraktion der Grünen kurz nach zehn Uhr am Donnerstagmorgen.

Mit Sonnenstrahlen starten die Parteien in NRW hoffnungsvoll in den Wahlkampf und das nicht erst in den kommenden Tagen, sondern bereits seit Mittwoch — das Internet macht's möglich. Kurz zuvor scheiterte der Haushaltsentwurf der rot-grünen Minderheitsregierung am Widerstand der Opposition. Der Düsseldorfer Landtag löste sich vorzeitig auf.

Startschuss per Mausklick

Obwohl das Aus für viele überraschend kam, drehen sich nun schon die Wahltrommeln für die Neuwahl im Mai unter Volldampf. "Der Plakatshop für NRW ist online", heißt es im Twitter-Account der Piratenpartei.

Auch CDU-Landeschef Norbert Röttgen eröffnete am späten Mittwochabend auf seinem Facebook-Account den Wahlkampf: "Ich führe die Partei in die Wahl. Ich will Ministerpräsident werden, und ich will, dass die CDU stärkste Partei wird. Das ist unser Ziel."

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Auf der Twitter-Fanseite der CDU wird auch deren Generalsekretär Hermann Gröhe mit einem etwas höhnischen Satz zitiert: "Krafts rot-grünes Minderheiten-Experiment ist heute grandios gescheitert". Schon vier Stunden vor der offiziellen Auflösung präsentiert die Partei ihr neues Wahlplakat. "NRW hat die Wahl", steht darauf geschrieben. "Schuldenstaat oder Zukunft für unsere Kinder?"

Auch im Netz macht das Plakat schnell Umlauf. Mehr als 40 Kommentare folgen. "Viel Erfolg" posten Anhänger. Und "Unsere Stimme haben Sie sicher." Andere fragen sich, wer Norbert Röttgen überhaupt ist und werden prompt aufgeklärt: Bundesumweltminister.

Das Internet bietet den Parteien neue Möglichkeiten. Nicht nur den Nutzen, großflächig Werbung zu betreiben, sondern sie erhalten auch direktes Feedback über Diskussionen und Kritiken der Wähler. So haben allein die Grünen auf ihrem Twitter-Account mehr als 40.000 Follower und geben sich nach Wahlprognosen der tagesschau.de deutlich siegessicher. Um die 14 Prozent der Stimmen sollen sie erhalten.

Sven Lehrmann, NRW-Vorsitzender der Grünen, postet noch während der Landtags-Sitzung: "Liebe Grünen NRW: Nehmt Euch bitte mal die nächsten zwei Monate nichts vor! :-) Es geht um starke Grüne für NRW! Euer Landesvorsitzender."

Nächster Termin: Neuwahl

60 Tage haben die Parteien nun Zeit, die Wähler von sich zu überzeugen. Wenig hoffnungsvolle Umfrageergebnisse bringen die FDP daher noch nicht zum Grübeln. "Geduld, das kommt noch", lässt sie über Twitter am Abend der Landtagsauflösung verlauten. "Umfragen sind noch kein Wahlergebnis!" Und das mit den üblichen Happy-Smiley-Ergänzungen.

Unterdessen bekräftigt Noch-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft von der SPD mit einem Kommentar auf ihrem Facebook-Account: Wir stellen "uns voller Zuversicht dem Urteil der Wählerinnen und Wähler".

Dann twittert die Fraktion der SPD in Nordrhein-Westfalen erst einmal die neusten Umfrageergebnisse der Internetseite wahlrecht.de, nach denen sie sich mit 35 Prozent den vorderen Platz mit der CDU teilen. Da scheint es kaum verwunderlich, dass sich Ministerpräsidentin Kraft auf ihrer eigenen Homepage noch nicht sonderlich um den Wahlkampf bemüht.

Hannelore Kraft: "Gefällt-Mir"

Und die Wähler tragen bei zum Wahlkampf. Die Facebook-Seite "Wir haben die Kraft" ist gerade gegründet, schon drücken mehr als 2000 Fans per Mausklick auf den "Gefällt-Mir"-Button. "Kraft Für NRW 2012" heißt ein neu-gegründeter Unterstützer-Account auf Twitter, auf dem SPD-Abgeordneter Sven Wolf aus Remscheid wissen möchte, warum Frau Kraft im Amt bleiben sollte.

"Besser Hannelore 'Zukunft' Kraft als Norbert 'Rückschritt' Röttgen", antwortet ein Anhänger. "Weils gut lief. Ich hab kaum Fehler in der Regierung gesehen, verdammt viel richtig gemacht. Und das sag ich als Piratenfreund", kommentiert ein anderer. "Ich würde mich gern geistig mit Ihnen duellieren, sehe aber, Sie sind unbewaffnet", postet ein Facebook-Mitglied gleich als Kommentar auf der CDU-Seite.

Die Neuwahl macht schon jetzt den Kampf der Parteien und ihrer Anhänger deutlich. Ein Mitglied der Piraten Partei weiß dabei auf Twitter um die Spielregeln: "Pro-Tipp an die NRW-FDP: "All In" sagt man nur dann, wenn man noch Chips hat". Online sind die Piraten dabei gut aufgestellt, planen im Internet, was sie so alles für den Wahlkampf brauchen, und erhalten Rückenwind. Ob sie jedoch bei gleich drei Landtags-Neuwahlen in den kommenden Monaten im Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen mit personellen Engpässen zu rechnen haben, wird sich noch zeigen.

(csi/csr)