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Im Klassenzimmer fallen die Masken

Nach Entscheidung des Schulministeriums : „Wenn die Maskenpflicht in Klassenräumen wegfällt, verschärft sich die Lage“

NRW-Schulministerin Gebauer (FDP) hebt die Tragepflicht am Sitzplatz trotz steigender Infektionszahlen auf. Die Quarantäneregeln werden etwas verschärft. Städteverantwortliche, Lehrer und Schüler äußern Unverständnis.

Nordrhein-westfälische Schüler müssen vom kommenden Dienstag an auf ihrem Sitzplatz keine Maske mehr tragen. „An unseren Schulen gibt es keinen übermäßigen Anstieg des Infektionsgeschehens“, sagte Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) zur Begründung. Die Impfquoten stiegen weiter an, bei Lehrern lägen sie über 90 Prozent: „Und schon fast die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler über zwölf Jahren ist vollständig geimpft.

Der Schritt fällt zusammen mit steigenden Infektionszahlen. Die Sieben-Tage-Inzidenz in NRW erreichte nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 91,7. Innerhalb eines Tages wurden 4621 neue Coronafälle registriert. 20 Todesfälle kamen hinzu. Auch in den Krankenhäusern stieg die Auslastung.

Schüler jeden Alters müssen in NRW damit künftig nur noch eine Maske tragen, wenn sie ihren festen Sitzplatz verlassen und im Schulgebäude unterwegs sind. Das gilt auch für die Übermittagsbetreuung. Im Außengelände ist die Maskenpflicht schon seit Längerem abgeschafft. Lehrkräfte müssen nur noch einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht einhalten können. Auch in Konferenzen müssen sie an ihrem Platz keine Maske mehr tragen.

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Wenn ein Infektionsfall auftritt, sollen künftig nicht nur der oder die Infizierte, sondern auch die direkten Sitznachbarn in Quarantäne geschickt werden. Zuletzt galt dies nur für die infizierte Person. Vollständig geimpfte Schüler und Lehrer sind von Quarantänen weiterhin ganz ausgenommen.

Auch am Testverfahren will die Schulministerin festhalten - zumindest bis zum Beginn der Weihnachtsferien. In Grund- und Förderschulen wird also weiterhin pro Woche zweimal mit dem PCR-Pooltestverfahren getestet, in den weiterführenden Schulen dreimal mit Antigen-Selbsttests. All diese Regelungen gelten landesweit, einzelne Kommunen könnten keinen Sonderweg einschlagen oder verfügen, dass Masken in ihren Schulen weiter getragen werden müssten, wie das Schulministerium auf Anfrage mitteilte.

Das Ende der Maskenpflicht rief am Donnerstag überwiegend negative Reaktionen hervor, auch von Seiten der Kommunen. Helmut Dedy, Geschäftsführer des Städtetages NRW, sagte: „Ich halte die Entscheidung der Landesregierung zum Wegfall der Maskenpflicht an Schulen für falsch.“ Die Verantwortlichen in den Kommunen sähen mit Sorge, dass die Zahl der Neuinfektionen deutlich ansteige, vor allem auch bei Kindern. Hinzu kämen immer mehr Impfdurchbrüche. „Wenn die Maskenpflicht ab nächstem Dienstag in den Klassenräumen wegfällt, verschärft sich die Lage. Wir befürchten, dass der Unterricht und die Nachmittagsbetreuung ohne Maske zu deutlich mehr Quarantänefällen von Schülerinnen und Schülern sowie von Lehrpersonal führen wird“, so Dedy. Eines der wichtigsten Ziele sei aber die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs: „Den Präsenzunterricht dauerhaft zu sichern, wird mit steigenden Quarantänezahlen nicht einfacher.“

Der Verband Lehrer NRW sprach von einer hochgradig riskanten Entscheidung. „Die Infektionszahlen steigen aktuell rasant – und zwar ganz besonders unter Kindern und Jugendlichen. Mitten in diese gefährliche Entwicklung hinein die Maskenpflicht im Unterricht aufzuheben, setzt alle am Schulleben Beteiligten einem hohen Risiko aus“, sagte der Vorsitzende, Sven Christoffer.

Auch die Landesschülervertretung hatte sich bereits im Vorfeld gegen ein Ende der Maskenpflicht gewandt - obwohl Schüler die Hauptbetroffenen sind. Es mache keinen Sinn, ausgerechnet in der Gruppe mit den höchsten Inzidenzen die Masken fallen zu lassen, sagte Vorstandsmitglied Johanna Börgermann. Viele Zwölf- bis 17-Jährige hätten sich auch noch gar nicht vollständig impfen können, weil die Empfehlung für diese Gruppe erst so spät gekommen sei. Und Schüler unter zwölf Jahren könnten sich noch gar nicht impfen lassen.

„Gerade die, die sich selbst am wenigsten schützen können, sind nun dem Infektionsgeschehen schutzlos ausgeliefert“, kritisierte die SPD-Opposition im Landtag. Fatal wäre es aus ihrer Sicht zudem, wenn die Landesregierung bei weiter steigenden Zahlen die Maskenpflicht wieder einführen müsse und im schlimmsten Fall sogar wieder zu drastischeren Mitteln greife. Auch Sigrid Beer, Schulexpertin der Grünen, hält den Schritt für verfrüht: „Uns überrascht die Entscheidung der Landesregierung auch insofern, als dass das Tragen der Maske ein relativ moderates Mittel im Kampf gegen die Pandemie ist, und andere Maßnahmen wie Abstände gerade in der OGS-Betreuung der Jüngeren das nicht ausgleichen können.“

(kib)