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Herbert Reul entscheidet Kampfkandidatur für sich

NRW-Landtagswahl 2022 : Herbert Reul entscheidet Kampfkandidatur für sich

NRW-Innenminister Herbert Reul strebt einen Sitz im Düsseldorfer Landtag an. Die CDU im Rheinisch-Bergischen Kreis hat er damit überrumpelt. Doch am Ende setzt er sich souverän mit 71,2 Prozent gegen seine Herausforderer durch.

Noch am Wochenende war NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in den Landesvorstand seiner Partei eingezogen. Mit 91 Prozent schaffte der Leichlinger den Sprung in die erste Reihe der NRW-CDU und bekam von den Delegierten gleich noch das beste Ergebnis aller Stellvertreter von Parteichef Hendrik Wüst mit auf den Weg.

Am Montagabend steht Reul die nächste Wahl ins Haus: Reul will bei der Landtagswahl im Mai 2022 Abgeordneter werden. Dass der beliebte Minister und Ehrenvorsitzende der CDU Rheinisch-Bergischen Kreis seinen Hut in den Ring geworfen hat, hat beim Kreisverband manchen überrascht. Der langjährige Abgeordnete Rainer Deppe wollte aus Altersgründen nicht erneut antreten. Deppe ist 65, Reul 69.

Die Veranstaltung in der Burscheider Gesamtschule beginnt mit einiger Verspätung. Die Registrierung dauert länger als gedacht. Reul sitzt in der ersten Reihe. Er ist angeschlagen. Seit Tagen kämpft er mit einer Grippe, auf dem Landesparteitag war er kaum bei Stimme. Er habe es deshalb auch nicht geschafft, noch zu telefonieren und für seine Kandidatur zu werben, sagt er am Rande der Sitzung.

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Reuls Hauptherausforderer, der 43 Jahre alte Kreisvorsitzende Uwe Pakendorf, versucht in seiner Bewerbungsrede den Spagat, Reul zu loben („Was unser Innenminister leistet ist großartig.“), aber auch zugleich zu signalisieren, dass der 69-Jährige ja ohnehin in einem Kabinett von Wüst seinen Platz hätte. Genau das habe Wüst ja beim Landesparteitag in Bielefeld versprochen. Er werde auch Reul in die Mitte der Wahlplakate setzen, allerdings dann flankiert von Hendrik Wüst und ihm selbst, verspricht Pakendorf. Viel spricht er vom „Aufbruch“, von Zukunftsthemen und Neuaufstellung.

Doch hörbar gibt es Reul-Fans im Publikum. Gisela Schürmann aus Burscheid, ehemalige Vorsitzende des Ortsverbands der Frauen Union, fragt Pakendorf, warum er nicht im benachbarten Wahlkreis angetreten sei, wo er ja schließlich auch wohne. Pakendorf versucht das abzuräumen, indem er auf die Herkunft seiner Frau verweist und sein direkt gewonnenes Kreistagsmandat. Er brenne für alle Kommunen des Kreises.

20.17 Uhr tritt Reul langsam ans Rednerpult. Und grippaler Infekt hin oder her, er ist hörbar angriffslustig. Reul teilt klar gegen Pakendorf aus. Da gebe es Dinge, die klargestellt werden müssten, sagt Reul drohend. Er selbst habe seine Kandidatur deutlich vor dem Kreisvorsitzenden angekündigt, Pakendorf habe dagegen lange gezögert und nicht mit offenen Karten gespielt und sei erst spät ins Rennen eingetreten. Dann streicht Reul seine Arbeit als Innenminister heraus. „Ich wollte beweisen, dass man dieses Land wieder sicherer machen kann. Einiges haben wir geschafft, aber da ist noch verdammt viel zu tun“, sagt der Minister.

Sein ursprünglicher Plan sei es gewesen, eine Periode mitzuarbeiten. „Dann habe ich gemerkt, es klappt, dass ich einen Beitrag leisten kann, dass ich helfen kann, dass viele Menschen mir vertrauen.“ Genau deshalb habe er sich entscheiden, seinen ursprünglichen Eine-Amtszeit-Plan zu ändern. „Wenn die Mitglieder es wollen, werde ich auch antreten. Dann aber auch vollständig.“ Reul unterstreicht noch einmal, dass er nie geplant habe, Ministerpräsident von NRW zu werden. Aber er wolle in der Fraktionssitzung nicht nur als Minister dabeisitzen, sondern mitstimmen.

„Sie kennen mich, meine Stärken, meine Schwächen, meine Leistungen“, sagt Reul. „Immer wenn Sie mich gebraucht haben, war ich da und habe zur Verfügung gestanden, ich brauche da keinen Nachhilfeunterricht.“ Der Applaus ist hörbar lauter als der von Pakendorf. Von den 226 stimmberechtigten Mitgliedern  stimmen am Ende 71,2 Prozent für Reul. „Dass ich alter Mann mich noch mal so sehr freuen würde...“, sagt ein glücklicher Innenminister.