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Hendrik Wüst in Israel auf erster großer Auslandsreise - Besuch in Yad Vashem

NRW-Ministerpräsident Wüst in Israel : „Das Erinnern an jedes einzelne Opfer berührt im Herzen“

Die erste große Auslandsreise führt den nordrhein-westfälischen Landeschef nach Israel. Das unterstreicht die engen Beziehungen von NRW mit dem jüdischen Staat. Wie der neue Regierungschef die Arbeit seiner Vorgänger mit neuem Leben füllen will.

Hendrik Wüst startet schon in aller Frühe. Um 3.15 Uhr ist er am Sonntag in seiner Heimatstadt Rhede aufgestanden, um über den Umweg München (Stippvisite bei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder) nach Israel zu fliegen. Mit dem Besuch unterstreicht der nordrhein-westfälische Ministerpräsident die enge Beziehungen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes zum jüdischen Staat. Denn es ist erst die zweite Auslandsreise des christdemokratischen Regierungschefs – nach einem kurzen Besuch in Brüssel bei der Europäischen Kommission und dem belgischen Ministerpräsidenten.

Die Corona-Pandemie bringt es mit sich, dass Wüst derzeit nur wenige öffentliche Auftritte hat oder ausgedehnte Auslandsreisen macht. Israel ist die große Ausnahme – und das hat inzwischen Tradition. Denn seine Vorgänger, egal welcher Parteicouleur, haben regelmäßig das Heilige Land besucht. Ex-Landeschef Armin Laschet hat sogar ein eigenes NRW-Büro in Israel eingerichtet, vor allem um die Wirtschaftsbeziehungen mit der Hightech-Nation zu stärken. Auch Wüst geht es in erster Linie um eine Vertiefung des ökonomischen Austauschs. „Hier trifft der innovative deutsche Mittelstand auf die Start-up-Szene Israels. Das ist für beide Seiten ein Gewinn“, umreißt der Ministerpräsident eines der zentralen Ziele seiner Reise nach Jerusalem und Tel Aviv. Dafür steht ihm auch am Montag Mittag die ehrgeizige israelische Wirtschaftsministerin Orna Barbivai Rede und Antwort. Sie hat zum ersten Mal für den jüdischen Staat ein Klimaprogramm und eine umweltpolitische Technologie-Agenda formuliert. Denn Israel will die Probleme der Erderwärmung vor allem technisch-wissenschaftlich lösen und rechnet sich für innovative Produkte im Bereich der erneuerbaren Energien riesige Exportchancen aus. Da könnten deutsche Unternehmen gerade auch aus NRW mit ihrer Ausrichtung auf den Weltmarkt helfen.

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Ein Teil der Reise gilt aber auch der Erinnerungskultur an die Menschheitsverbrechen von Nazi-Deutschland gegenüber den Juden. Wie jeder deutsche Politiker und jede deutsche Politikerin besucht Wüst die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem – übrigens zum ersten Mal. Denn als NRW-Verkehrsminister musste der CDU-Politiker seine geplante Israel-Reise zweimal wegen Corona verschieben. Der Besuch von Yad Vashem ist immer eine Gradwanderung. Denn die Ehrerbietung gegenüber den sechs Millionen jüdischen Opfern des NS-Rassenwahns (darunter anderthalb Millionen Kinder) darf nicht zur Routine bei offiziellen Besuchen in Israel werden. Hier findet der 46-jährige Wüst eindringliche Worte. „Jeder Name zählt! Dieser Ort und das Erinnern an jedes einzelne Opfer berühren im Herzen. Aus dieser Berührung muss immer wieder neu die Kraft erwachsen, jüdisches Leben zu schützen und lebendig zu halten.“ Das schreibt er in das Gästebuch des Gedenkstätte und wiederholt dann die Worte der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass als Folge des „schlimmsten Ziviilisationsbruchs der Geschichte“ die Existenz des Staates Israel „Teil der deutschen Staatsräson ist“.

Es ist die beklemmende und zugleich bewegende Atmosphäre dieses in der Welt einzigartigen Museums, dass die Besucher – gerade auch die deutschen – durchdringt. Es ist die individuelle Geschichte vieler einzelner und die durchgängige Konzeption, den Holocaust aus der Perspektive der jüdischen Opfer zu erzählen, die ein bleibendes Gefühl der Ungeheuerlichkeit dieses Verbrechens vermittelt. Darauf hat sich Wüst bei seinem ersten Besuch der Gedenkstätte sichtlich eingelassen. Das war keine Routine, die „man absolviert“, wie der Ministerpräsident danach erklärt.

Gerade die Länderebene ermöglicht es Politikern aus Deutschland, aber auch viele praktische Themen in der Zusammenarbeit mit dem jüdischen Staat anzugehen. Denn oft sind es die eher unspektakulären Dinge, die die schon längst sehr enge Kooperation der beiden Länder ausmachen. Dazu gehören neben den Wirtschaftsbeziehungen auch der wissenschaftliche und kulturelle Austausch. Wüst besucht am Montagnachmittag das katholische Kloster Beit Gamal der Salesianer-Mönche, wo neben dem israelischen Konservator auch der Professor Adrian Heritage vom Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der Technischen Hochschule Köln tätig ist. Eines der Leuchtturmprojekte des NRW-Büros in Israel. Auch das israelische Bildungsinstitut Givat Haviva, das den jüdisch-arabischen Dialog fördert, wird von Nordrhein-Westfalen schon seit vielen Jahren unterstützt. Wüsts Amtsvorgänger haben es regelmäßig besucht, auch der neue Landeschef findet den Weg dorthin.

Klima und Innovation ist schließlich der dritte Schwerpunkt des Besuchs. Bei den beiderseitigen Möglichkeiten kommt Wüst sogar ein bisschen ins Schwärmen. „Israel hat eine blühende Start-up-Kultur und wir haben weltweit tätige kleine und mittlere Unternehmen. Das passt hervorragend zusammen“, findet der neue Landeschef. Und auch das Handwerk will Wüst für den Austausch mit Israel begeistern. „Für Studierende gibt es viele Möglichkeiten. Das wollen wir auch für die Azubis schaffen, die damit ganz einzigartige Einblicke erhalten.“, erklärt der Ministerpräsident, dem eine Gleichwertigkeit der akademischen und technisch-praktischen Ausbildung besonders am Herzen liegt. Die guten Wirtschaftsbeziehungen unterstreichen die Routine im deutsch-israelischen Verhältnis – weit weg von der schwierigen Geschichte. Und hier will Nordrhein-Westfalen auch unter dem neuen Landeschef Vorreiter bleiben.