Hannelore Kraft schenkt Karl-Josef Laumann einen Schutzengel

"Berlin ist ein raues Umfeld" : Kraft schenkt Laumann einen Schutzengel

Mit einer anrührenden Szene beendete NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft am Mittag ihren ihren Redebeitrag in der Haushaltsdebatte des Landtags. Sie löste einen Schutzengel-Anhänger von ihrer Halskette und überreichte ihn dem scheidenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Karl-Josef Laumann.

"Ich gebe Ihnen meinen Schutzengel mit", sagte Kraft zu Laumann, der als Beauftragter für Pflege und Gesundheit nach Berlin überwechselt. "Berlin ist ein raues Umfeld", sagte die SPD-Politikerin lächelnd. Zuvor hatte sie Laumann für dessen offene Art gedankt. Der CDU-Politiker sei ein verlässlicher Gesprächspartner und "immer mit Herzblut dabei" gewesen. "Nordrhein-Westfalen kann stolz sein, solche Abgeordnete zu haben", betonte die Regierungschefin.

In seiner letzten Rede im Düsseldorfer Landtag hatte sich Laumann frontale Angriffe gegen die rot-grüne Landesregierung verkniffen. Die hohe Verschuldung des Landes bereite ihm große Sorgen. Mit Sparen allein komme man auf dem Weg zu einem ausgeglichenen Haushalt nicht weiter. Genau so wichtig sei wirtschaftliches Wachstum.

Laumann kümmert sich um Pflege

NRW sei ein starkes Land, dessen Wirtschaft aber langsamer wachse als im bundesdeutschen Durchschnitt. Deswegen dürften den hiesigen Unternehmen keine Steine in den Weg gelegt werden. Laumann erwähnte in diesem Zusammenhang das NRW-Klimaschutzgesetz und das Wasserentnahmeentgelt.

Besonders am Herzen liege ihm der Umgang mit älteren Menschen, erklärte Laumann. Die Pflege müsse menschlich und würdevoll sein. Deswegen habe er sich "schweren Herzens" entschlossen, die neue Aufgabe in Berlin anzunehmen. Er sei vor drei Wochen von Bundeskanzlerin Merkel angesprochen worden, ob er sich die Übernahme des neuen Amtes vorstellen könne. Er hoffe, dass er von dieser Position aus etwas zum Wohl der Menschen ausrichten könne.

Laumann, den Merkel am Sonntag noch als soziales Gewissen der Union lobte, wies Vermutungen zurück, er sei wegen der damit verbundenen Abschaffung der CDU-Doppelspitze - Trennung von Partei- und Fraktionsvorsitz - dazu gedrängt worden: "Es glaubt doch niemand, dass Karl-Josef-Laumann einen Schritt tut, den er nicht freiwillig geht." Nach seiner Rede erhielt der CDU-Politiker von allen Landtagsabgeordneten stehend dargebrachten Applaus.

Schärfe brachte FDP-Fraktionschef Christian Lindner in die Debatte um den Landeshaushalt für 2014. Er warf der Regierung Kraft "Gefälligkeitspolitik auf Pump" vor. In der Verkehrspolitik setze sie vor allem mit dem geplanten Bau von Radschnellwegen völlig falsche Akzente und bestrafe mit dem Kommunal-Soli wirtschaftlich vernünftig handelnde Städte.

Für Überraschung sorgte ein Zwischenruf von CDU-Landeschef Armin Laschet, der heute Abend zum Nachfolger von Laumann gewählt werden soll. Auf die Kritik des Grünen-Politikers Reiner Priggen an der geplanten Autobahn-Maut entgegnete Laschet: "Sie kommt doch nicht."

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(hüw)
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