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Häusliche Gewalt: Land forciert mehr Schutz für Betroffene

Partnerschaftsgewalt in Nordrhein-Westfalen : NRW will Opfer von Gewalt besser schützen

Das Land hat einen „Anti-Gewalt-Pakt“ geschnürt, mit dem Angebote zum Schutz von Betroffenen besser gebündelt werden sollen. Ein Fokus soll auf sogenannten „Powerhäusern“ liegen.

Nordrhein-Westfalen will häusliche Gewalt besser bekämpfen. Dafür hat NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) einen Pakt gegen häusliche Gewalt vorgestellt. Unter dem Titel „Schutz vereint:Nordrhein-Westfalen-Pakt gegen Gewalt“ sollen in den kommenden Monaten bessere Bedingungen für betroffene Frauen und Männer geschaffen werden.

Laut einer Statistik des Landeskriminalamts in Nordrhein-Westfalen gab es im Jahr 2019 37.382 Fälle von Partnerschaftsgewalt in NRW – noch ohne Berechnung der Dunkelziffer. Fast 83 Prozent der Opfer waren Frauen, 17 Prozent Männer. „Hinter jeder Zahl versteckt sich eine Tragödie“, sagte Scharrenbach.

Um mit diesen Tragödien besser umgehen zu können, will das Land in dem Anti-Gewalt-Pakt mehrere Unterstützungsangebote bündeln. Dafür sollen noch diese Woche Gespräche mit den Verbänden und Hilfseinrichtungen aufgenommen werden, so Scharrenbach. Der Pakt umfasst zehn Eckpunkte, eine zentrale Rolle sollen sogenannte „Powerhäuser“ spielen. Zentrale Anlaufstellen, in denen Beratung und Hilfe koordiniert angeboten werden können. Dabei sei auch wichtig, die Städte und Kommunen am Dialog zu beteiligen, sagte Scharrenbach.

Damit diese Strukturen geschaffen werden können, braucht es Geld. „Wir haben die Mittel um fünf Millionen Euro erhöht“, sagte die Ministerin. Aktuell fördert das Land NRW über 185 Unterstützungseinrichtungen für von Gewalt betroffene Frauen: 62 Frauenhäuser, 52 Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt und 62 allgemeine Frauenberatungsstellen, betrieben von unterschiedlichen Trägern. Ein Problem dabei sei: Viele Betroffene würden die Angebote gar nicht kennen, so die Ministerin. Ziel sei es nun, die verschiedenen Angebote zusammenzuführen, sagte Scharrenbach. So sollen Menschen, die unter häuslicher Gewalt leiden, wohnortnah Zugänge zu Hilfsangeboten bekommen.

Laut der CDU-Politikerin hat Nordrhein-Westfalen die Zahl der Plätze in Frauenhäusern seit 2017 erhöht: Von 571 auf 622 Plätze. „Die Zielvereinbarung, bis 2022 mehr Plätze schaffen zu wollen, haben wir schon erreicht“, sagt Scharrenbach.

Auch die Landgerichtsbezirke sollen miteinbezogen werden: In jedem der 19 Bezirke soll es ein Präventionsangebot für die Täter – die zumeist männlich sind – geben.

„Die Zahlen zeigen, dass im Bereich Gewaltschutz mehr getan werden muss, dazu verpflichtet uns auch die Istanbul-Konvention. Es ist gut und richtig, wenn die Landesregierung dies auch erkannt hat. Zentral dafür ist die langfristige finanzielle Absicherung der Frauenhilfeinfrastruktur“, sagt Josefine Paul, Vorsitzende der Landtagsfraktion der Grünen. Was Scharrenbach mit den zusätzlichen Mitteln genau machen wolle „bleibt aber weiterhin unklar.“ Paul verweist auch auf die Betreuung der Kinder gewaltbetroffener Frauen. Diese müsse sichergestellt sein. „Kinder sind auch Opfer und müssen ein eigenständiger Fokus der Gewaltschutzarbeit sein.“