Grüne attackieren Landesregierung „NRW von den Booster-Zielen Lichtjahre entfernt“

Düsseldorf · Laut dem NRW-Gesundheitsministerium sind 6,1 Prozent der Menschen in NRW geboostert. Doch die Opposition erhebt schwere Vorwürfe. Das Problem hätten die Fachminister bereits im August klar umschrieben, passiert sei allerdings nichts.

 Eine Mitarbeiterin zieht in einem Corona-Impfbus eine Spritze mit dem Impfstoff von Biontech auf.

Eine Mitarbeiterin zieht in einem Corona-Impfbus eine Spritze mit dem Impfstoff von Biontech auf.

Foto: dpa/Kay Nietfeld

Nordrhein-Westfalens Landesregierung hat derzeit keinen Überblick, wie viele Mittel aus dem Corona-Rettungsschirm ihr für die Durchführung der Boosterimpfung zur Verfügung stehen. Das ergab eine Anfrage unserer Redaktion an das NRW-Gesundheitsministerium. Auch auf die Frage, wie viele der im August vom Landtag bereitgestellten Mittel aus dem Topf aufgebraucht wurden, ist offenbar unklar. So erklärte eine Sprecherin auf Anfrage: „Aufgrund des sehr dynamischen Impfgeschehens und laufender Auswertungen sind hier kurzfristig keine detaillierten Aufschlüsselungen möglich.“

Für den Gesundheitsexperten der Grünen-Landtagsfraktion, Mehrdad Mostofizadeh, passt das ins Bild. Er kritisiert: „Die Gesundheitsministerkonferenz hat sich Anfang August erstmals mit dem Thema Boostern beschäftigt und beschlossen, dass eine Booster-Impfung nach sechs Monaten erfolgen soll.“ Doch auch mit dem Wissen seien keinerlei Vorbereitungsmaßnahmen getroffen worden, agt er. „Jetzt wissen wir, dass die Boosterung viel schneller erfolgen muss. 27 Millionen Menschen in Deutschland sollen nun bis Weihnachten geimpft werden. Davon sind wir in der Realität aber Lichtjahre entfernt.“

Im Ausschuss sei von Ministeriumsmitarbeitern eingeräumt worden, dass sie erstmals am 1. November operative Anweisungen zur Booster-Impfung jenseits der Pflegeheime bekommen hätten, sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen. „Das ist zu spät- Mindestens zwei Monate wurden verloren.“ Die Kassenärztlichen Vereinigungen erklärten, dass sie 60.000 bis 70.000 Impfungen in NRW am Tag schafften. „Damit muss jedem klar sein, dass wir unter den gegebenen Bedingungen niemals bis Weihnachten durch sein werden“, so Mostofizadeh.

Nach Angaben des Ministeriums sind in NRW derzeit 6,1 Prozent der Menschen drittgeimpft. Davon 14,6 Prozent der Personen über 60, 3,6 Prozent der Personen zwischen 18 und 59 Jahre, 7,3 Prozent der Personen über 18 Jahre und 0,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen.

Das Impfgeschehen habe in den Arztpraxen bereits deutlich zugelegt und werde in den kommenden Tagen weiter Fahrt aufnehmen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Hierzu stehe man kontinuierlich in engem Austausch mit den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Kommunen. „Auch die Angebote in den Kommunen werden ausgebaut. Hierbei sind sowohl stationäre Impfstellen sowie mobile Impfangebote vorgesehen, um den Kommunen eine flexible und bedarfsgerechte Handhabung auch in der Beauftragung Dritter zu ermöglichen.“ Der Schwerpunkt des Impfgeschehens werde weiterhin in den Arztpraxen stattfinden.

Mostofizadeh kritisiert in Sachen Vorbereitung, dass neben zahlreiche Erst- und Zweitimpfungen die Impfung der Kinder unter zwölf Jahren noch unmittelbar bevorstehe: „Es wirkt leider so, als steuere das Ministerium kopflos in diese Situation hinein.“ Er fordert, den Kreis derjenigen, die impfen dürften, pragmatisch zu erweitern. „Auch medizinisches Personal, auch Apotheker sind durchaus in der Lage, die Impfungen in einer Impfstelle zu verabreichen. Natürlich muss ein Arzt in der Nähe sein, aber wir müssen doch jetzt alles tun, um Tempo ins System zu bekommen.“

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ließ am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Corona-Schutzverordnung Sympathien für eine Ausweitung auf andere Berufsgruppen erkennen und nannte dabei konkret Zahnärzte und Apotheker. Allerdings verwies der Minister darauf, dass für eine Öffnung des Impfens für weitere Berufsgruppen der Bund zuständig sei.

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