G9 in NRW: SPD-Opposition kritisiert Ausnahmen für Gymnasien

Abitur in NRW nach neun Jahren : SPD-Opposition fordert G9 an allen Gymnasien

Nach dem Willen der Landesregierung soll im kommenden Jahr an den Gymnasien in NRW die Umstellung von G8 auf G9 starten. Doch nicht jedes Gymnasium muss mitmachen. Die SPD-Opposition kritisiert mögliche Ausnahmen.

Die Sozialdemokraten fordern eine ausnahmslose Rückkehr aller Gymnasien in Nordrhein-Westfalen zum Abitur nach neun Jahren (G9). Der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, Jochen Ott, kritisierte am Dienstag Pläne der schwarz-gelben Landesregierung, wonach Gymnasien künftig per einmaligem Beschluss ihrer jeweiligen Schulkonferenz entscheiden können, an der achtjährigen Schulzeit (G8) festzuhalten.

Das hätte negative Konsequenzen für die Schüler, heißt es dazu kritisch in einem Antrag der SPD-Fraktion. Denn Kinder und Eltern müssten dann künftig schon in der dritten Klasse entscheiden, ob das Kind das Abitur nach acht oder neun Jahren machen soll und das entsprechende Gymnasium wählen. Gerade auf dem Land, wo es häufig nur ein Gymnasium gebe, könne das zu Problemen führen.

Die SPD fordert stattdessen "individuelle Schülerkarrieren" auf Grundlage eines gemeinsamen neunjährigen Gymnasiums. Schüler sollten gemeinsam mit ihren Eltern "selbst entscheiden dürfen", ob sie das Abi nach acht oder neun Jahren machen.

Gesetz noch vor den Sommerferien

Nach den Plänen der CDU/FDP-Regierung soll in NRW im Schuljahr 2019/20 die Umstellung auf G9 an öffentlichen Gymnasien starten, und zwar mit den Klassen fünf und sechs. Es müsse aber auch eine Übergangsregelung für Schüler und Schülerinnen der jetzigen Klassen 7, 8 und 9 geben, sagte Ott. Auch diese Schuljahrgänge, deren Eltern oft für G9 gekämpft hätten, müssten noch von der Rückkehr zum G9 profitieren können. Wie so eine Regelung aussehen soll, konnte Ott nicht darlegen.

Das Gesetz zur Umstellung von G8 auf G9 soll nach dem Willen der Landesregierung noch vor den kommenden Sommerferien verabschiedet werden. "Die Zeit läuft", sagte Ott. "Es muss Ruhe an den Schulen einkehren." Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte sich im November dagegen ausgesprochen, mehr Stufen als nur die fünfte und sechste beim Start von G9 mitzunehmen.

Angesichts des Lehrermangels forderte die SPD außerdem erneut eine Angleichung der Besoldung von verbeamteten Lehrern in NRW. Obwohl die Dauer der Ausbildung inzwischen gleich sei, liege die Einstiegsbezahlung bei Lehrern der Primarstufe und der Sekundarstufe I immer noch auseinander. Die Differenz betrage mehr als 500 Euro im Monat. Die SPD forderte als Einstieg für Lehrer jeder Schulform die Besoldungsstufe A 13. Die Kosten für eine solche Angleichung bezifferte Ott auf rund 600 Millionen Euro pro Jahr - inklusive Pensionsansprüchen und Zusatzversorgungen.

(oko)
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