Flug-Verspätung in Düsseldorf: NRW-Landesregierung bestellt Eurowings und Laudamotion zum Rapport

Zu viele Nacht-Landungen in Düsseldorf: NRW-Landesregierung bestellt Airlines zum Rapport

So viele Flieger wie nie kommen am Flughafen Düsseldorf erst nachts an. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen drängt auf Lösungen.

Die massenhaften Verspätungen am Flughafen Düsseldorf machen nun die nordrhein-westfälische -Landesregierung nervös. Wie unsere Redaktion aus informierten Kreisen erfuhr, hat NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) Vertreter der wichtigen Airlines wie Eurowings und Laudamotion zu Gesprächen gebeten, um eine höhere Pünktlichkeit und weniger sehr späte Landungen einzufordern. Ein Anlass der Initiative ist ein Bericht unserer Redaktion, dass es im Mai mit 313 Landungen nach 23 Uhr so viele Nachtlandungen gab wie noch nie in diesem Monat. Außerdem hatte das Land Eurowings bereits im Frühjahr Konsequenzen angedroht, falls es weiter sehr viele Verspätungen gibt. Damals hieß es in einem Papier: „Das Unternehmen wurde aufgefordert, sämtliche Defizite so schnell wie möglich zu beseitigen, und es wird in Kürze ein Termin folgen, bei dem weitere Maßnahmen ergriffen werden, wenn kein schlüssiges Konzept zur Abstellung der Mängel vorgelegt wird.“

Wüst will Klartext reden

Wüst will mit den Airlines und insbesondere Eurowings Klartext reden. „Man kann den Eindruck haben, dass die Umläufe so eng getaktet sind , dass Verspätungen billigend in Kauf genommen werden“, sagte er im kleinen Kreis. Wenn Maschinen ausfielen, würden zu oft Ersatzmaschinen fehlen. Die Airlines müssten „ihre betrieblichen Abläufe so organisieren, dass Verspätungen die Ausnahme bleiben und nicht zur Regel werden“. Dies fordert er gerade mit Sicht auf die Mitte Juli beginnenden Sommerferien in Nordrhein-Westfalen.

Dabei ist dem Ministerium klar, dass es für Eurowings oder auch andere Airlines aktuell schwer ist, weil sie ihre Kapazitäten nach dem Ende von Air Berlin massiv erhöhten. Doch das müsse gut gemanagt werden, fordert der Minister: „Dann muss man eben vorsichtiger agieren“, dann sollten Flugpläne langsamer hochgefahren werden.

Mit der Initiative reagiert der Minister auch auf eine Forderung der Bürgerinitiativen: Die verlangen in einer Kampagne seit dem 1. Juni ein hartes Nachtflugverbot ab 22 Uhr. Damit würde die aktuelle Regelung beendet, dass Jets mit Düsseldorf als Heimatflughafen bis 24 Uhr außerplanmäßig landen dürfen, wenn Maschinen Verspätung haben - eine Regelung, bei der sich auch der Minister fragt, ob sie missbraucht wird durch zu enge Flugpläne. Regulär sind Landungen sowieso aktuell bis 23 Uhr erlaubt.

  • Kaarster Fluglärm-Gegner sauer : Eurowings hält Rekord bei späten Landungen in Düsseldorf

Probleme nach dem Aus für Air Berlin

Eurowings und andere Airlines räumen ein, dass sie Probleme damit haben, den nach dem Ende von Air Berlin schnell gewachsenen Flugbetrieb zu managen, sehen aber trotzdem die entscheidende Verantwortung für die vielen Verspätungen bei Fluglotsenstreiks im Ausland sowie ungewöhnlich vielen Gewittern. Der Airport bestätigt dies weitgehend: Ungefähr die Hälfte der Verspätungen am Düsseldorfer Flughafen habe mit Fluglotsenstreiks zu tun, erklärt ein Sprecher des Flughafens, ein Fünftel mit dem Wetter. Minister Wüst stellt diese Begründung nicht zufrieden: Probleme im Flugverkehr dürften nicht zu Lasten der Kunden und „erst recht nicht der Anwohner“ gehen.

Kein Treffen mit Schnalke geplant

Interessanterweise will der CDU-Politiker wegen der Verzögerungen zwar eine Reihe an Airline-Managern sehen, doch ein spezielles Treffen mit Thomas Schnalke, dem Chef des Flughafens Düsseldorf, ist wegen dieses Themas erst einmal nicht geplant. Ein Grund ist, dass der Airport direkt keine Verantwortung für die späte Heimkehr vieler Maschinen hat. Außerdem muss das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium aktuell entscheiden, ob der Flughafen in der Landeshauptstadt seine Kapazitäten zu Spitzenzeiten deutlich erhöhen darf. „Das muss objektiv abgewogen werden“, heißt es in der Behörde, „da darf es in keine Richtung den Anschein einer Voreingenommenheit geben.“

Flughafen und Bürgerinitiativen sehen dagegen sehr wohl einen Zusammenhang zwischen dem Antrag auf höhere Flugkapazitäten und den vielen Verspätungen. „Wenn die ihren Laden schon jetzt nicht im Griff haben, würde das mit noch mehr Flügen noch schlimmer“, sagt Christoph Lange, ein Sprecher der Initiativen. Flughafenchef Schnalke meint dagegen, höhere Kapazitäten zu bestimmten Uhrzeiten könnten helfen, Verspätungen teilweise abzubauen. Eurowings-Chef Thorsten Dirks gibt sich vorsichtig: Entscheidend sei dass der Airport „operative Stabilität“ bekomme, sagte er unserer Redaktion im April. Erst wenn man alle Abläufe im Griff habe, könne man sagen, „ob eine Kapazitätserweiterung sinnvoll und notwendig ist“.

Mehr von RP ONLINE