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Flüchtlinge in NRW: Flüchtlingsunterkünfte laut Land und Kommunen winterfest

NRW : Kommunen: Flüchtlingsunterkünfte sind winterfest

Egal ob Zelt, Container oder Turnhalle: Die Kommunen melden für alle ihre Flüchtlingsunterkünfte: "winterfest". Zur Höhe der Heizkosten gibt es keine Prognosen - auch wegen mangelnder Erfahrungen.

Der nordrhein-westfälische Flüchtlingsrat warnt zum Beginn der kalten Jahreszeit vor einer drohenden Obdachlosigkeit von Flüchtlingen. Anders als in anderen Bundesländern sitze zwar in NRW kein Schutzsuchender auf der Straße, sagte Referentin Antonia Kreul in Bochum. Der Flüchtlingsrat hoffe, dass dies so bleibe. "Das vorderste Ziel muss die Vermeidung von Obdachlosigkeit sein." Flüchtlinge sollten höchstens vorübergehend in Zelten untergebracht werden - falls es sich nicht ganz vermeiden lässt. "Ein Zelt ist kein Dauerzustand, gerade im Winter."

Das Innenministerium bezeichnet alle seine Unterkünfte als winterfest. In Nordrhein-Westfalen gebe es außer den Plätzen in Containern und festen Gebäuden derzeit etwa 17.000 Plätze für Flüchtlinge in sogenannten Leichtbauhallen - die umgangssprachlich auch als Zeltstädte bezeichnet werden. Von diesen Plätzen müssten noch 2000 geprüft und gegebenenfalls mit kleineren Arbeiten winterfest gemacht werden, sagte eine Sprecherin. Die Leichtbauhallen hätten zwar nach außen eine zeltplanenähnliche Wand. Allerdings seien sie beheizt und mit Stahlträgern gestützt. Angaben bezüglich der erwarteten Heizkosten konnte das Ministerium nicht machen.

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Eine stichprobenartige Umfrage zeigt, dass sich die Kommunen ebenfalls gut vorbereitet fühlen für die kälteren Temperaturen. Die großen Unbekannten sind allerdings die Heizkosten. Hier wagen die Städte keine Prognosen, zumal diese Kosten auch abhängig sind von der Härte des Winters.

Essen: "Wir gehen davon aus, dass alle Unterkünfte, die wir bislang haben, winterfest sind", sagte die Sprecherin der Stadt Essen, Nicole Mause. Das gelte auch für zeltähnliche Einrichtungen, die mit Ölheizungen wohnlich gemacht würden. "Was es kosten wird, das wissen wir nicht", sagte Mause. Es sei ja noch nicht klar, wie hart der Winter werde. "Wir betreiben solche Flüchtlingsunterkünfte zum ersten Mal. Vieles wird sich noch zeigen." Die Schutzsuchenden wird der Winter vor neue Probleme stellen, wie Mause befürchtet. "Allein deshalb, weil sie nicht so viel nach draußen können". Denn in den Einrichtungen lebten die Menschen ohnehin schon sehr beengt. Essen rechnet 2015 mit insgesamt 5200 Flüchtlingen - wenn es bei den Prognosen bleibt.

Euskirchen: Alle derzeit von der Stadt betriebenen Gemeinschaftsunterkünfte seien winterfest, heißt es auch aus Euskirchen. "Bezüglich der eventuellen Heizkosten haben wir aufgrund der fehlenden Erfahrungen mit den in diesem Jahr hinzugekommenen Objekte keinerlei Anhaltspunkte, so dass hier eine Aussage Spekulation wäre", erklärte der Fachbereichsleiter Soziales Alfred Jaax. In Euskirchen sind derzeit knapp 500 Flüchtlinge von der Stadt untergebracht. Hinzu kommen zwei Landeseinrichtungen mit fast 600 Plätzen.

Köln: Da alle der mehr als 8000 Flüchtlinge (Stand 30. September 2015) in Köln bislang ausschließlich in festen Wohngebäuden untergebracht sind, ist die Unterbringung insgesamt als winterfest einzustufen, wie die Stadtverwaltung mitteilte. "Es sind nach dem derzeitigen Stand der Dinge bei den städtischen Flüchtlingsunterkünften keine besonderen Vorkehrungen zu treffen." Für 2015 seien zur Zeit rund 3,15 Millionen Euro Energiekosten in den Unterkünften geplant. Wie sich diese Zahl noch verändern wird, könne das Wohnungsamt nicht abschätzen. "Wir rechnen derzeit pro Monat mit einem Zugang von 800 Menschen, die von uns unterzubringen sind."

Leverkusen: Auch in Leverkusen sind nach Auskunft der Stadt bislang alle Flüchtlingsunterkünfte feste, beheizbare Gebäude oder Containeranlangen - und daher winterfest. Die Heizkosten seien "beim besten Willen nicht zu beziffern", erklärte Heike Fritsch von der Stadtverwaltung. Bei den Einrichtungen, die erst in diesem Jahr in Betrieb genommen wurden, die erst in Planung oder im Bau seien, gebe es keine Erfahrungswerte. In Leverkusen leben derzeit etwa 3000 Flüchtlinge. "Wir rechnen in diesem Jahr mit noch weiteren 800".

"Wir haben nur winterfeste Unterkünfte", heißt es auch aus Bielefeld. "Eine Prognose hinsichtlich der Anzahl der Flüchtlinge und der Heizkosten ist nicht möglich."

Ein Blick auf die bundesweite Lage zeigt unterdessen, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern gibt: Etliche Bundesländer haben noch keine winterfesten Unterkünfte für die Flüchtlinge. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Ländern. In Niedersachsen beispielsweise sollen die Zelte für etwa 4000 Flüchtlinge bis Ende Oktober entweder beheizt oder durch Schnellbauhütten ersetzt werden. Auch Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) schloss eine Unterbringung von Flüchtlingen in wintertauglichen Zelten als letzte Lösung nicht aus. Auch in Hamburg gebe es noch Unterkünfte, die noch nicht für den Winter vorbereitet sind, hieß es.

Im Saarland sind dagegen alle Unterkünfte winterfest. In Brandenburg werden ab sofort keine Flüchtlinge mehr in nicht winterfesten Unterkünften untergebracht. In den grenznahen bayerischen Regierungsbezirken Oberbayern und Niederbayern sind nach Angaben der Behörden ebenfalls alle Notunterkünfte winterfest.

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(lnw)