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Kommentar: Fernseh-Wahlkampf

Kommentar : Fernseh-Wahlkampf

Ist der enorme Einfluss, den das Fernsehen heute auf Wahlentscheidungen hat, gut oder schlecht für die Demokratie?

Einerseits locken gut gemachte Politiker-Talkshows wie gestern die "Elefantenrunde" des WDR, in der sich die NRW-Spitzenkandidaten inszenieren durften, viele Zuschauer an. Auch solche, die sich sonst kaum für Landespolitik interessieren. Denn das Format ist recht unterhaltsam.

Andererseits ist gerade die Stärke des Fernsehens als Unterhaltungsmedium auch seine Schwäche: Weil Fernsehen fast alles auf seinen Unterhaltungswert reduziert. Es kann gar nicht anders: Die Dramaturgie der Bilder erzwingt Gedankensprünge und plötzliche Wendungen, auf der Mattscheibe verdrängt das Plakative in aller Regel das Differenzierte.

Gute Politik ist aber differenziert und denkt auch mal kompliziert. Deshalb kommt gute Politik im Fernsehen oft unverdient schlecht weg. Fernsehen will keine komplexen Gedanken. Fernsehen will Emotionen.

Hannelore Kraft (SPD) wirkt emotional. Norbert Röttgen (CDU) wirkt rational. Deshalb ist Kraft in der Emotions-Maschine Fernsehen gegenüber Röttgen meistens im Vorteil. So war es auch am Mittwoch. Aber sagt das auch etwas über ihre Politik aus?

(das)