Statistik ruht bis zum Sommer FDP verlangt Erfassung von Unterrichtsausfall

Düsseldorf · Laut einer Umfrage im Auftrag der FDP wollen 90 Prozent der Befragten, dass die Ministerin sofort wieder die ausgefallenen Schulstunden erfassen lässt.

 Ein Klassenzimmer in Radevormwald.

Ein Klassenzimmer in Radevormwald.

Foto: Thomas Imo/photothek.net

Die FDP im Düsseldorfer Landtag hat die Landesregierung dazu aufgefordert, unverzüglich mit der Erfassung des Unterrichtsausfalls zu beginnen. Schulministerin Dorothee Feller (CDU) hatte im Februar auf eine Anfrage der SPD erklärt, dass die Unterrichtsstatistik für das gesamte Schuljahr ausgesetzt werde, „um die Schulen vor dem Hintergrund der vielfältigen aktuellen Herausforderungen zu entlasten“, und erst nach den Sommerferien wieder aufgenommen werde. Die FDP präsentierte dazu nun eine eigene Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey unter 1800 Teilnehmern ab 18 Jahren. Dabei sprachen sich 89,6 Prozent der Befragte für eine sofortige systematische Erfassung der Fehlstunden aus. Gerade einmal 4,8 Prozent waren dagegen, 5,6 Prozent hatten keine Meinung.

Die Unterrichtsstatistik UntStat müsse ab sofort wieder evaluiert und veröffentlicht werden, erklärte die FDP-Fraktion. „Ministerin Feller hält beide Augen fest geschlossen und befindet sich auf einem schulpolitischen Blindflug“, sagte Franziska Müller-Rech, Sprecherin für Schule in der FDP-Landtagsfraktion NRW. „Das ist hochriskant, denn wir laufen Gefahr, dass der Unterrichtsausfall stetig ansteigt und das Schulministerium davon überhaupt nichts erfährt. Die Schulministerin muss sich ehrlich machen, der Grund für den Stopp der Erhebung existiert schlichtweg nicht mehr. Wir müssen die Defizite in den Schulen kennen, um zielgenaue Maßnahmen gegen Unterrichtsausfall ergreifen zu können.“ Der erteilte und ausgefallene Unterricht müsse wieder lückenlos dokumentiert werden. „Das Berichtswesen sollte dabei im Sinne der Lehrkräfte so effizient und so schlank wie möglich gestaltet sein“, so Müller-Rech.

Das Ministerium erklärte auf Anfrage, man habe großes Interesse daran, zu wissen, wie viel Unterricht an den Schulen in NRW erteilt werde und wie oft und aus welchen Gründen Unterricht nicht wie geplant stattfinden könne. Ein Sprecher verwies darauf, dass die zum Schuljahr 2018/19 eingeführte flächendeckende Erhebung coronabedingt schon im Frühjahr 2020 wieder ausgesetzt worden sei, um die Schulen angesichts der großen Herausforderungen durch die Pandemie zu entlasten. Stattdessen habe das Schulministerium eine wöchentliche Umfrage zum Schulbetrieb in Corona-Zeiten initiiert, die regelmäßig an die jeweilige Entwicklung der Pandemie angepasst wurde und bis auf Weiteres weiterlaufe. „Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine berichten die Schulen zudem wöchentlich über die Aufnahme geflüchteter Schülerinnen und Schüler, deren Beschulung überdies zu organisieren ist.“ Vor diesem Hintergrund und im Interesse einer verlässlichen Kommunikation gegenüber den Schulen habe die Landesregierung entschieden, an der zugesagten Entlastung bis zum Beginn des neuen Schuljahres festzuhalten. Derzeit liefen die Vorbereitungen, damit nach den Sommerferien die Statistik wieder starten könne. „Dazu werden die Schulen rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres über die Details zur Erhebung informiert.“

Andreas Bartsch, Vorsitzender des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbands, sagte unserer Redaktion, grundsätzlich sei es richtig, dass es diese Statistik gebe, weil sie noch einmal die Probleme an den Schulen klar aufzeige. Bartsch verwies allerdings auf die Kürze des laufenden Schuljahres: „Wir haben nach Ostern noch elf Wochen bis zu den Sommerferien, und die Ministerin hat ja schon erklärt, dass sie die Statistik im neuen Schuljahr wieder startet. Insofern sollten wir uns jetzt nicht mit Streitereien über Statistiken aufhalten, sondern das eigentliche Problem angehen.“ Und das ist nach Aussagen von Bartsch der Lehrermangel. „Gegen den hat im Übrigen die Vorgängerin von Frau Feller, Yvonne Gebauer, zu wenig unternommen. Nun liegt zumindest ein Maßnahmenpaket vor, aber auch dort sehen wir Probleme: Mit der Androhung von Abordnungen an andere Schulformen und den Einschränkungen bei der Teilzeit macht Ministerin Feller den Beruf für jüngere Menschen unattraktiver.“ Bartsch räumte ein, dass es sich dabei um die Quadratur des Kreises handele, „aber darauf sollten wir uns jetzt konzentrieren. Statistische Zahlen zum Unterrichtsausfall sind meines Erachtens erst einmal nachrangig.“

Vor der Corona-Pandemie waren nach Angaben der damaligen schwarz-gelben Landesregierung im ersten Halbjahr des Jahres 2019/20 insgesamt 5,1 Prozent der Stunden ausgefallen, 3,6 Prozent entfielen ersatzlos.

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