Fall Lügde: Kinderschutzbund kritisiert NRW-Innenminister Herbert Reul

Fall Lügde : Kinderschutzbund kritisiert NRW-Innenminister Reul

Im Fall des Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde gerät NRW-Innenminister Herbert Reul zunehmend unter Druck.

Reul hatte zuvor im Interview mit unserer Redaktion gesagt, dass er bislang weder mit Opfern noch mit Angehörigen persönlich gesprochen habe. Zudem habe er sich auch noch nicht selbst ein Bild vom Tatort gemacht. Ein gewisses Zögern, die Opfer zu kontaktieren, kann Hilgers jedoch nachvollziehen. „Die Opfer zu besuchen, ist eine Frage, die sehr empfindsam entschieden werden muss“, sagte der Präsident des Kinderschutzbundes „Man muss sich so ein Zusammentreffen auch zutrauen. Jemandem, der sich das nicht zutraut, dem würde ich auch nicht dazu raten.“

Kritik kommt auch vom Opferhilfeverein Weißer Ring. Zwar sollten traumatisierte Menschen in Akutphasen nur von ausgebildeten Helfern betreut werden. „Dennoch ist es aber für Opfer und ihre Angehörigen von Bedeutung, dass sie und ihre Schicksale gesehen, wahr- und ernstgenommen werden – auch von Vertretern des Staates“, sagte der Bundesvorsitzende des Weißen Rings, Jörg Ziercke.

Die SPD-Landtagsfraktion wünscht sich von der Landesregierung in dem Fall mehr Anteilnahme. „Es wäre durchaus angemessen, wenn sich die Landesregierung in solch tragischen Fällen aktiver um die Opfer bemühen würde, ihre Sorgen aufnimmt und ihnen persönlich versichert, dass sie alles zur Aufklärung der schrecklichen Taten beitragen wird“, sagte SPD-Innenexperte Sven Wolf. Zudem könne er kaum glauben, dass Reul noch nicht selbst am Tatort gewesen sei.

Nach einer Reihe von Ermittlungspannen im Fall des jahrelangen Kindesmissbrauchs wurden am Donnerstag bei Abrissarbeiten auf dem Campingplatz in einem Hohlraum unter einer Holzplanke weitere CDs und Disketten gefunden. Die SPD als Oppositionspartei im Düsseldorfer Landtag fordert wegen der neuen Entdeckung den Rücktritt von NRW-Innenminister. „Reul ist zu einem Sicherheitsrisiko geworden, er ist bei der Aufklärung des größten Missbrauchskandals in der Geschichte des Landes gescheitert“, so Hartmut Ganzke, innenpolitischer Sprecher der SPD.

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