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Ermittlungen nach tödlichem Polizeieinsatz: Alle Beteiligten vor Misstrauen schützen

Ermittlungen nach tödlichem Polizeieinsatz in Dortmund : Methoden verändern – alle Beteiligten vor Misstrauen schützen

Was in Dortmund geschehen ist, ist besonders schlimm und besonders dramatisch. Ein Jugendlicher hat sein Leben verloren, durch fünf Schüsse der Polizei. Ausgerechnet in so einem tragischen Fall kommt nun Misstrauen auf, ob die Sache korrekt aufgeklärt wird. Das wäre vermeidbar gewesen.

Dass das System für Ermittlungen von Polizisten gegen Polizisten nach dem tragischen Polizeieinsatz von Dortmund überdacht wird, ist richtig. Es sollten nicht immer die gleichen Polizeibehörden wechselseitig zueinander ermitteln. Darüber formiert sich auch über Parteigrenzen hinweg Einigkeit in Nordrhein-Westfalen. So klingt es aus der Regierungskoalition von CDU und Grünen sowie von FDP und SPD in der Opposition. Schmerzhaft ist, dass es dafür eines so traurigen Auslösers bedurfte. Kostenpflichtiger Inhalt Innenminister Herbert Reul (CDU) macht zwar geltend, dass es unter seiner Ägide schon Verbesserungen gegeben hat. Früher hat jede Behörde im Fall der Fälle direkt gegen die eigenen Beamten ermittelt. Sicher ist die jetzige Regelung da ein Fortschritt. Aber warum bloß hat man seinerzeit auf dem richtigen gedanklichen Weg auf halber Strecke haltgemacht? Wozu überhaupt zwei Behörden fest miteinander koppeln? Und warum müssen es auch noch praktisch „benachbarte“ Stellen sein?

Jetzt flammt diese Diskussion auf, nachdem ein Jugendlicher erschossen wurde. Die Ermittler aus Recklinghausen, die feststellen sollen, ob in Dortmund Fehler gemacht wurden, sind ausgerechnet nach so einem besonders schlimmen Geschehen Verdächtigungen ausgesetzt, sie würden vielleicht nicht gewissenhaft arbeiten. Sie können überhaupt nichts dafür, und sie können praktisch nichts dagegen tun. Die Einsatzkräfte, die in Dortmund dabei waren, müssen die gleichen Vorverurteilungen fürchten. Es ist ein Automatismus, dem alle Beteiligten ausgeliefert sind. Das beste wäre es, Politik und Polizei fänden in sich die Bereitschaft und einen Weg, die Nachforschungen schon jetzt – für den aktuellen Fall – auf eine andere Polizeibehörde zu übertragen. Es wäre der einzige Weg, alle Betroffen vor dem verletzenden Misstrauen zu schützen.