NRW-Check Wüst gewinnt an Popularität und hängt CDU-Chef Merz in Kanzlerfrage ab

Düsseldorf · Im Herbst will die Union darüber entscheiden, wer im Rennen um die Kanzlerschaft antritt. Ginge es nach der nordrhein-westfälischen Wählerschaft, müsste Merz seinem Parteifreund Wüst das Feld überlassen.

Hendrik Wüst - Landtagswahl NRW 2022 - CDU: Das ist NRW-Ministerpräsident
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Das ist Hendrik Wüst

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Foto: dpa/Marcel Kusch

Die schwarz-grüne Landesregierung kann mit ihrem Kurs Boden bei den Wählerinnen und Wählern gutmachen. Wie aus einer Umfrage von Forsa im Auftrag von 38 nordrhein-westfälischen Tageszeitungen hervorgeht, stieg die Zufriedenheit mit der Arbeit der Koalitionäre gegenüber Juni 2023 um neun Punkte auf nunmehr 47 Prozent. Allerdings sind immer noch etwas mehr Menschen (48 Prozent) unzufrieden mit der Arbeit von Schwarz-Grün.

Vor allem Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) konnte bei den Wählern punkten. Seine Beliebtheitswerte sind in der laufenden Legislaturperiode von 43 auf nunmehr 53 Prozent gestiegen. Die Zahl derjenigen, die seine Arbeit kritisch sehen, ging von 44 Prozent im September des Jahres 2022 auf aktuell 36 Prozent zurück. Bei CDU-Anhängern kommt der Landesvorsitzende auf komfortable 92 Prozent. Nur sieben Prozent der christdemokratischen Wählerschaft haben an seiner Arbeit etwas auszusetzen.

Dabei beschränkt sich der Rückenwind nicht nur aufs bevölkerungsreichste Bundesland. Die Union hat sich darauf verabredet, zunächst den Wahlausgang in Sachsen und Thüringen am 1. September sowie in Brandenburg am 22. September abzuwarten, ehe sie einen Kanzlerkandidaten kürt. Bislang hat es der NRW-Ministerpräsident stets vermieden, sich in dieser Frage festzulegen. Jüngst sagte er bei einem Auftritt in der ARD-Sendung „Maischberger“: „Wir werden uns alles in Ruhe angucken und dann entscheiden.“ Sein möglicher Konkurrent, CDU-Parteichef Friedrich Merz habe „auch erkennen lassen, dass er das will“, sagte Wüst. „Wir sprechen viel miteinander“, betonte er. In der Frage der Kanzlerkandidatur seien sie beide der Meinung, „dass es wichtig ist, wer Wählergruppen erreichen kann“.

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Genau dafür liefert Forsa nun weitere Anhaltspunkte: Könnten die Nordrhein-Westfalen direkt über den nächsten Kanzler abstimmen, würde Wüst sich deutlicher gegen Amtsinhaber Olaf Scholz (SPD) durchsetzen als der Sauerländer Merz. Während 50 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme Wüst geben und Scholz mit 24 Prozent deutlich abstrafen würden, fiele das direkte Rennen zwischen Scholz und Merz sehr viel knapper aus: Merz läge mit 36 Prozent nur einen Punkt vor Scholz.

Unterschieden nach Altersklassen wird das Bild noch deutlicher: Wüst würde im Duell mit dem Kanzler in allen Altersklassen besser abschneiden, Merz hätte dagegen in der Jungwählerschaft Schwierigkeiten, Scholz zu schlagen. Bei den 18- bis 29-Jährigen läge der SPD-Kanzler mit 50 Prozent weit vor Merz (22 Prozent).

Während die CDU auf Landesebene im Vergleich zum Landtagswahlergebnis 2022 mit 1,3 Punkten auf 37 Prozent zulegen kann, kämpfen SPD, Grüne und FDP in NRW wohl auch mit dem Gegenwind durch die Politik der Ampel in Berlin. Würde schon jetzt über eine Neuzusammensetzung des Düsseldorfer Landtags abgestimmt, müssten die Grünen sich mit 2,2 Punkten weniger begnügen als noch bei der Wahl: Sie kommen auf 16 Prozent. Für eine Fortführung von Schwarz-Grün würde das reichen. Die SPD stürzt dramatisch um 10,7 Punkte ab und liegt mit den Grünen gleichauf, die 2,2 Prozentpunkte verlieren. Für die FDP würden die aktuellen Umfragewerte das Ausscheiden aus dem Landtag bedeuten: Die Liberalen schaffen nur vier Prozent (Wahlergebnis 2022: 5,9). Während das Bündnis Sahra Wagenknecht ebenfalls an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würde, könnte die AfD massive Gewinne verbuchen: Sie käme auf 13 Prozent (plus 7,6).

Die Erklärung dafür könnte die weiterhin als besonders dramatisch empfundene Flüchtlingslage sein. Erneut wurde das Thema Migration mit 34 Prozent als größtes Problem genannt – eine Steigerung um sieben Punkte gegenüber dem Sommer 2023. Auf Platz zwei folgte das Thema Verkehr (ehemals Platz drei) mit 25 Prozent und die Bildung, die mit 20 Prozent nur noch als drittgrößtes Problem genannt wurde. An Bedeutung verloren hat die Sorge vor der Inflation, während die Situation der Wirtschaft insgesamt gleichwohl etwas an Bedeutung gewinnt. Demgegenüber rücken Klima- und Umweltschutz aus dem Bewusstsein und erreichen den niedrigsten Wert seit Dezember 2021.

Für den NRW-Check befragte Forsa insgesamt 1502 Wahlberechtigte über 18 Jahre aus NRW. Die Erhebung fand vom 5. bis 14. März statt.

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