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Düsseldorf: Demo-Veranstalter fordern Rücktritt von Innenminister Herbert Reul

Nach umstrittenem Polizeieinsatz : Demo-Veranstalter fordern Rücktritt von NRW-Innenminister Reul

Nach dem Polizeieinsatz bei einer Demonstration gegen die Verschärfung des Versammlungsrechts in Nordrhein-Westfalen haben die Veranstalter den Rücktritt von Innenminister Herbert Reul (CDU) gefordert. Ministerpräsident Laschet traf den verletzten Fotografen und versprach Aufklärung.

„Ausgerechnet eine Demonstration für das Demonstrationsrecht wurde verhindert“, sagte eine Sprecherin des Bündnisses von 75 überwiegend linken Gruppen, das zu der Demonstration aufgerufen hatte, am Montag. Es seien über 100 Menschen verletzt worden, darunter auch Minderjährige.

Das Demonstrationsrecht sei am Samstag in Düsseldorf von der Polizei mit Füßen getreten worden, sagte Rechtsanwältin Anna Busl vom Verein Republikanischer Anwälte, der zu dem Bündnis gehört. „Wir haben die Aufhebung des Versammlungsrechts erlebt. Es gab keine unfriedliche Entwicklung, die die Auflösung der Demonstration gerechtfertigt hätte.“ Der Polizeieinsatz sei unverhältnismäßig und verfassungswidrig gewesen.

Die Anwältin forderte lückenlose Aufklärung und Ermittlungen gegen die leitenden Polizisten des Einsatzes. Sie prüfe eine Klage mit dem Ziel, gerichtlich feststellen zu lassen, dass der Polizeieinsatz rechtswidrig gewesen sei.

Kostenpflichtiger Inhalt Die Polizei hatte einen Teil der Demonstranten, den sogenannten Antifa-Block, stundenlang eingekesselt und ihnen den Weiterzug untersagt. Dies war in Durchsagen damit begründet worden, dass etwa durch das Hochhalten von Transparenten und Schwenken von Fahnen gegen das Vermummungsverbot verstoßen worden sei, sowie mit dem Einsatz von Pyrotechnik aus den Reihen der Demonstranten.

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Die Anwältin wies daraufhin, dass die Polizei Maskenpflicht angeordnet hatte. Das Hochhalten von Transparenten sei kein Verstoß gegen das Vermummungsverbot. Das Zünden von ein oder zwei Rauchtöpfen sei zwar eine Ordnungswidrigkeit, rechtfertige aber nicht das Auflösen einer Demonstration.

Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot hatten am Samstag in Düsseldorf mehrere tausend Menschen gegen ein geplantes Versammlungsgesetz für NRW demonstriert. Vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht hatte die Polizei einen Teil des Demonstrationszugs gestoppt.

Ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wurde nach eigenen Angaben von einem Beamten mehrfach mit einem Schlagstock geschlagen. Er berichtete von mindestens einem weiteren Kollegen, der ebenfalls angegriffen worden sei. NRW-Innenminister Reul hat eine Prüfung und Aufklärung der Vorwürfe angekündigt.

Die Polizei Düsseldorf hatte berichtet, dass Teilnehmer mehrfach gegen das Vermummungsverbot verstoßen sowie Pyrotechnik und Rauchtöpfe abgebrannt hätten. Der Aufzug habe dadurch immer wieder angehalten werden müssen. Es sei zu Angriffen auf Polizeikräfte gekommen. „Die Beamtinnen und Beamten setzten daraufhin kurzfristig Reizgas und den Einsatzmehrzweckstock ein“, hieß es in einer Mitteilung.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) versprach die Aufklärung des Vorfalls: „Pressefreiheit gilt immer und muss überall gewährleistet sein“, sagte Laschet am Montag der dpa, nachdem er den Journalisten zu einem Gespräch getroffen und sich nach dessen Befinden erkundigt hatte. Er versicherte dem Fotografen, dass die zuständigen Stellen den Vorfall lückenlos aufklären würden.

„Gerade die Polizei steht dafür ein, die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten zu schützen“, sagte Laschet. „Deshalb müssen die im Raum stehenden Vorwürfe aufgeklärt werden.“ Es sei richtig und wichtig, dass Innenminister Reul (CDU) umgehend klargemacht habe, dass die Vorwürfe sehr ernst genommen würden und es eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls geben werde.

(mba/dpa)