Die Zahl der Atomtransporte durch NRW hat sich verdoppelt

Atomkraft : Doppelt so viele Atomtransporte in NRW

Obwohl Deutschland aus der Atomenergie aussteigen will, verdient die Branche in NRW immer noch prächtig. Vor allem die Aufbereitungsanlage in Gronau scheint Konjunktur zu haben, wie die Entwicklung der Atomtransporte in NRW zeigt.

Früher waren die Atomtransporte der wunde Punkt in der Produktionskette der Atomwirtschaft: Deren Gegner blockierten regelmäßig die Transportwege, um damit den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie zu erzwingen. Inzwischen ist der Ausstieg beschlossene Sache. Entsprechend rollen die Transporte heute weitgehend unbehelligt. Und zuletzt wieder erstaunlich oft: Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der genehmigungspflichtigen Transporte gegenüber dem Vorjahr von 602 auf 1241 mehr als verdoppelt, wie aus der Antwort des NRW-Energieministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Wibke Brems hervorgeht.

„Der Transport-Anstieg ging fast ausschließlich auf Ausfuhren aus der Urananreicherungsanlage Gronau zurück“, kommentierte Brems die Zahlen. „Das zeigt: In Deutschland werden trotz Atomausstieg lukrative Geschäfte mit der Atomkraft gemacht auch auf Kosten der Sicherheit in unserem Bundesland.“

NRW-Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) widerspricht den Sicherheitsbedenken. Die Transporte würden „unter Beachtung der für den Straßentransport geltenden Rechtsvorschriften“ durchgeführt und seien zudem „mit den Schutzmaßmnahmen der Polizei“ verzahnt, so der Minister. Seine Zahlen bestätigen aber, dass der wichtigste Absender von Atomtransporten in NRW 2018 die Uranaufbereitungsanlage in Gronau war, die 271 Ausfuhren mit 5807,9 Tonnen angereichertem Uranhexafluorid vor allem für die Produktion von Brennelementen beantragt hatte. Nach Berechnungen von Brems haben sich die Ausfuhren aus Gronau seit 2013 fast verdreifacht. Weitere Absender von Radioaktiv-Transporten waren unter anderem das Forschungszentrum Jülich, die Krefelder Metallurgie-Firma Siempelkamp und die GNS Betriebsstätte Duisburg, die schwach- bis mittelradioaktive Abfälle verpackt.

Neben Transporten, die ihren Ausgangspunkt in NRW hatten, führten 169 reine Transittransporte durch NRW – 33 weniger als im Vorjahr. Brems: „Ministerpräsident Laschet muss seinen Einfluss in Berlin für den vollständigen Atomausstieg geltend machen: Wir brauchen einen Exportstopp von Brennelementen.“ Direkten Einfluss auf den rechtlichen Rahmen für Brennelemente-Exporte hat das Land nicht. Das Thema regeln im wesentlichen Bundesgesetze.

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