Spannende NRW-Wahl: Die Tage der geheimen Treffen

Spannende NRW-Wahl: Die Tage der geheimen Treffen

Zwei Monate vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen laufen die Köpfe der Parteistrategen heiß. Denn es scheint offen wie nie, welche Regierung nach dem 9. Mai an Rhein und Ruhr regiert. Jetzt machen gleich mehrere "Geheimtreffen" Schlagzeilen. Die FDP spricht mit der SPD, die SPD mit der Linken. Merkel und Rüttgers treffen sich im Hotel mit Seeblick. Alle Beteiligten wiegeln ab. Alles ganz normal. Wirklich?

Selten war eine Landtagswahl in NRW so offen wie diese. Schwarz-Gelb verfügt jüngsten Umfragen zufolge über keine Mehrheit mehr. Die jüngste Forsa-Umfrage sieht CDU und FDP bei 47 Prozent. Ein mögliches Linksbündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei schafft es auf 48 Prozent. Dabei ist der Einzug der Linken, die mit radikalen Wahlkampf-Parolen Schlagzeilen macht, mehr als fraglich. Forsa sieht die Linke derzeit bei fünf Prozent.

Hinter den Kulissen laufen die Planspiele auf Hochtouren. Seit Wochen halten sich Spekulationen, die CDU könnte bei einem zu schwachen Ergebnis der Liberalen mit den Grünen in Düsseldorf koalieren. Beobachter sammeln seit Wochen Hinweise für ein Öffnung der Konservativen in Richtung der Grünen. Nicht nur der Atom-Vorstoß von Umweltminsister Norbert Röttgen (CDU) ist vor diesem Hintergrund zu nennen. Aber auch an anderen Fronten tut sich etwas. Denn die FDP scheint zu reagieren.

Geheimtreffen I: Nach einem Bericht von "Spiegel Online" trafen sich kürzlich der neue FDP-General Christian Lindner mit seiner SPD-Kollegin Andrea Nahles. Dem Bericht zufolge tauschten sich beide auch über die aktuelle Situation in NRW aus. Offenbar gibt es bei den Liberalen schon länger Gedankenspiele aus der taktischen Rolle des CDU-Juniorpartners auszubrechen. Eine mögliche Ampel-Koalition als Druckmittel gegen eine zu selbstbewusste CDU? Die Ampel wäre rechnerisch zumindest drin. Die Forsa-Umfrage sieht ein mögliches Bündnis von SPD, Grünen und FDP derzeit bei 49 Prozent. Offiziell wird abgewiegelt. Solche Treffen seien lediglich Routine, heißt es.

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Geheimtreffen II: Ebenfalls vor wenigen Tagen kamen sich SPD und Linkspartei im Land ein Stückchen näher. Der SPD-Landesvize Jochen Ott und die Linken-Landeschefin Katharina Schwabedissen trafen sich zu einem halbstündigen Gespräch in Düsseldorf. Ob Ott dabei im Auftrag seiner Partei oder auf eigene Faust handelte, bleibt offen. Parteichefin Hannelore Kraft gab sich öffentlich jedenfalls empört. Ott habe im Alleingang gehandelt. Die Landes-Chefin wird nicht müde, Abstand zur Linken zu halten. Im Interview mit der "Bild"-Zeitung schloss es Kraft auch aus, eine rot-grüne Minderheitsregierung von der Linken dulden zu lassen. "Das wird es definitiv nicht geben", erklärte die Spitzenkandidatin. Fest steht aber auch: Ohne die Linke hat Kraft keine realistische Machtperspektive. Die CDU versucht seit langem, die 50-Jährige in die Nähe überführten Lügnerin Andrea Ypsilanti aus Hessen zu stellen.

Geheimtreffen III: Während SPD, Grüne, FDP und Linke an ihrer Taktik feilen, ist die CDU eher mit sich selbst beschäftigt. Jüngster Beleg: Ein geheimes Treffen von Ministerpräsident Rüttgers und Kanzlerin Merkel in einem Essener Hotel am Baldeneysee. Die Themen dürften klar sein. Der CDU-Landeschef ist unzufrieden mit dem Erscheinungsbild der Bundesregierung. Einen "Fehlstart" habe Schwarz-Gelb in Berlin hingelegt, kritisiert Rüttgers. Umgekehrt dürfte die Kanzlerin und Bundesvorsitzende ist ihren Unmut über die Sponsoren-Affäre zum Ausdruck gebracht haben. Merkel reagierte bereits. Aus Berlin wird nach Informationen unserer Redaktion Joachim Koschnicke nach Düsseldorf geschickt. Der strategische Planer aus der Berliner Zentrale soll dem Team in Düsseldorf beim Wahlkampf helfen. Im Konrad-Adenauer-Haus geht offenbar die Sorge um, die CDU könne am 9. Mai vom Wähler abgestraft werden. Auch die CDU spielt das Treffen herunter. Solche Termine seien gang und gäbe und von einem Geheimtreffen könne keine Rede sein.

Drei mehr oder weniger geheime Treffen vor der Wahl, drei Mal wird lautstark abgewiegelt. Fest steht bei allen Spekulationen: In den Parteizentralen steigt die Spannung täglich – vor einer NRW-Wahl, deren Ausgang offen wie selten ist.

(csi/rm)
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