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Wirbel um Hochzeitsfoto von Hannelore Kraft: Die Garderobe der Landesmutter

Wirbel um Hochzeitsfoto von Hannelore Kraft : Die Garderobe der Landesmutter

5000 "Gefällt mir"-Klicks bei Facebook, 1000 Kommentare mit Glückwünschen – und jede Menge hämische Bemerkungen: Selten erregen Politiker-Paare so viel Aufmerksamkeit mit ihrem Outfit wie Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in ihrem Brautkleid und Gatte Udo im Anzug.

5000 "Gefällt mir"-Klicks bei Facebook, 1000 Kommentare mit Glückwünschen — und jede Menge hämische Bemerkungen: Selten erregen Politiker-Paare so viel Aufmerksamkeit mit ihrem Outfit wie Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in ihrem Brautkleid und Gatte Udo im Anzug.

Während Fachblätter für Edel-Klatsch wie "Gala" und "Bunte" ganz neutral berichten, kriegen sich (angeblich) politische Medien wie "Spiegel" und "Süddeutsche" über das Brautkleid von Hannelore Kraft (SPD) gar nicht mehr ein: falsche Farbe für eine Hochzeit mit Anfang 50. Weiß trägt unvorteilhaft auf. Auf jeden Fall zu lang. An den Armen zu transparent, wenn man nicht Michelle Obama ist. Der wehende Schleier verleitete zu Überschriften wie "Besser weht's nicht" oder "Weht's noch?".

Kritik am Jackett

Nicht minder kritisch wurden Jackett ("viel zu breit in den Schultern"), Hose ("zu lang, wirft Falten"), Schuhe ("unmöglich") und Fliege ("Kellner") von Udo Kraft bewertet, der im Hochzeits-Anzug einfach aussieht, wie die Mehrheit der Männer sich fühlt, wenn sie mal einen anziehen muss: leicht verkleidet. Gerade das macht das Foto in den Augen der meisten Menschen ungeheuer sympathisch. Und es ist kein Nachteil, dass Namibia auf dem Foto wie eine Berghalde in Herne aussieht.

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Innerhalb eines Tages, nachdem Hannelore Kraft es via Twitter und Facebook im Internet am Mittwoch verbreitete, gab es mehr als 5000 "Gefällt mir"-Klicks bei Facebook, rund 1000 Kommentare mit Glückwünschen, Hunderte verbreiteten das Foto von der Erneuerung des Eheversprechens weiter und achteten weniger auf das Kleid als auf die Botschaft, die die beliebte Landesmutter und ihr Gatte damit verbreiteten: Die Krafts sind Leute wie wir, und deshalb sind ihnen die großen Träume kleiner Leute nicht peinlich geworden.

Kraft widersteht Versuchungen

Hannelore Kraft gehört zu den wenigen deutschen Politikerinnen, die (fast) immer zur richtigen Garderobe greifen — ohne wie die Kanzlerin immer den gleichen Blazer in verschiedenen Farben zu tragen. Der Beruf der Ministerpräsidentin bringt es mit sich, dass sie nicht selten morgens mit Betriebsräten in einer zugigen Halle stehen, mittags ein Kind auf den Arm nehmen und abends die Parteibasis an die Hand nehmen muss. Kraft ist nicht der Versuchung erlegen, sich eine textile Machthülle aus dem Arsenal einschlägiger Mode-Labels für Alpha-Mädchen zuzulegen.

Mit dem Aufstieg von Hannelore Kraft zur wichtigsten Landespolitikerin der SPD sind die sozialdemokratischen Brioni- und Cohiba-Jahre samt ihrer Marken-strotzenden Status-Protzerei ein für allemal zu Ende gegangen. Sie trägt häufig Modeschmuck-Ketten, einfache Kreolen und eine schlichte Armbanduhr; Perlen an ihr sind eine Seltenheit. Der Kleidung von Hannelore Kraft ist praktisch nie eine Marke anzusehen — und schon gar keine, die normale Menschen sich nicht würden leisten können (oder wollen). Dabei gelingt ihr bisweilen ein Chic der Unauffälligkeit, den man kaum inszenieren kann. Kraft hat sich weitgehend von der Einfallslosigkeit zumindest des täglichen Hosenanzugs emanzipiert, der ihren optischen Auftritt in den 90er Jahren bestimmte. Noch vor zehn Jahren waren bunte Seidentücher häufig die einzigen Farbtupfer, die sie sich erlaubte.

Floal gemustert Kleid

Inzwischen geht sie durchaus gewagter und mit erkennbar eigenem Geschmack bei der Bestückung des Kleiderschranks für öffentliche Auftritte vor. Auffällig ist ihr Hang zu kräftig floral gemusterten Kleidern, die dann gern von einem schwarzen Blazer gezähmt werden. Im modischen Sinne richtig gut angezogen ist Kraft selten — aber wer von den vielen Leuten, die in Kraft eine weibliche Ausgabe von Johannes Rau sehen, ist das schon? Im Sommer überholte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin in einer Umfrage des ZDF-Politbarometers erstmals Bundeskanzlerin Angela Merkel als beliebteste Politikerin Deutschlands.

Im Angesicht des wehenden Brautkleids höhnte der Berliner "Tagesspiegel": "Hannelore Kraft hat es mit einem einzigen Foto geschafft, das Image, das sie sich über Jahre hinweg mühsam aufgebaut hat, zu zerstören." Richtig ist das genaue Gegenteil. Dass die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin dieses Kleid in dieser Umgebung ohne jeden Anflug von Ironie tragen kann, ist die größte Stärke einer Frau, deren Macht auf dem Gemocht-werden basiert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hannelore Kraft - Für jeden Anlass die richtige Garderobe

(RP/csi/sap)