Die Friday-Bewegung ist eine pädagogische Herausforderung erster Klasse

Kommentar zu Fridays for Future : Hochreck für Pädagogen

Die Friday-for-future-Bewegung stellt die Schulen vor eine enorme Herausforderung. Sie müssen sich mit dem Phänomen des massenhaften zivilen Ungehorsams auseinandersetzen. Praktisch, und nicht nur theoretisch. Aber genau das ist eine pädagogische Groß-Chance.

Schule schwänzen fürs Klima? Das Gesetz stellt die Schulpflicht eindeutig über das Demonstrationsrecht. Aber so einfach ist es nicht. Bei den Friday-Demonstrationen ist das kollektive Schwänzen Teil des Konzeptes.  Diese Provokation gibt der Kampagne überhaupt erst den Kick.

Eine rein schulrechtliche Bewertung greift schon deshalb zu kurz, weil demonstratives Schwänzen ziviler Ungehorsam ist. Und dessen Wesen ist nunmal der Verstoß gegen Regeln. Zivilen Ungehorsam abzulehnen, weil er gegen Regeln verstößt, ist kein Standpunkt, sondern eine Tautologie.

Die Friday-Bewegung zwingt die Schulen zur Auseinandersetzung mit dem politischen Instrument des zivilen Ungehorsams. Dafür müssen sie ihre Autorität relativieren. Und es zwingt die Schüler, sich mit den Konsequenzen ihres zivilen Ungehorsams zu beschäftigen. Denn nur wenn Konsequenzen drohen, ist ziviler Ungehorsam auch mutig. So könnte der beidseitige Erkenntnisgewinn dazu führen, dass die Vernunft den Zielkonflikt ausbalanciert. Welche Regel könnte besser sein als dieses pädagogische Kunstwerk?

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