Die Aufklärungsquote taugt nicht zur Beurteilung der Polizeiarbeit

Kommentar zur NRW-Polizei : Aufklärung tut not

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) lobt die Polizei für ihre hohe Aufklärungsquote. Diese Quote bildet aber nur die Selbsteinschätzung der Beamten ab. Die Realität sieht ganz anders aus.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat die Kriminalitätsstatistik großzügig zu seinen Gunsten interpretiert. So großzügig, dass seine zentrale Interpretation wahrscheinlich falsch ist: Die Polizei habe 2018 mehr als die Hälfte aller Straftaten aufgeklärt. Das stimmt offenbar nicht.

Reul beruft sich auf die Aufklärungsquote laut Polizeilicher Kriminalitätsstatistik. Er interpretiert den Wert so, als würde er ausweisen, welchen Anteil der Straftaten die Polizei aufgeklärt hat. Das ist unzulässig, denn der Wert weist lediglich die Selbsteinschätzung der Polizei aus. Dass zwischen dieser Selbsteinschätzung und der Wirklichkeit bei diesem Thema Welten liegen, zeigen neben etlichen wissenschaftlichen Studien auch die Statistiken der Justiz: Ein sehr großer Teil der Fälle, die die Polizei für aufgeklärt hält, muss aus Mangel an Beweisen eingestellt werden. Sie werden also eben gerade nicht aufgeklärt.

Fast alle Innenminister treiben Schindluder mit der Aufklärungsquote. Das ist unredlich gegenüber dem Steuerzahler, der Anspruch auf eine bessere Kennzahl zur Berurteilung der Qualität seiner Polizei hat.

Mehr von RP ONLINE