Infektionswellen NRW hält an bestehenden Regeln zur Maskenpflicht fest

Düsseldorf · Ein Viertel des Praxispersonals im Land ist krank, das RS-Virus trifft ganze Familien. Trotzdem bringen Hausärzte und Experten Lockerungen ins Spiel. Auf eine einheitliche Linie bei Maskenpflicht und Isolation können sich die Länder weiter nicht einigen.

Noch gilt die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen.

Noch gilt die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen.

Foto: dpa/Marijan Murat

Die Infektionswellen treffen Nordrhein-Westfalen hart: Ältere Menschen sind vor allem von Corona- und Influenzaviren betroffen, Schulkinder besonders von Influenza- und Kleinkinder von RS-Viren. Durch die RS-Viren komme es zu Ausbrüchen in den Familien, die auch die Eltern träfen, sagte Oliver Funken, Chef des Hausärzteverbands Nordrhein, unserer Redaktion. Viele Praxismitarbeiter fielen aus: „Reihum sind alle Mitarbeiter von Corona betroffen, insgesamt kommt es auch durch weitere Infekte zu Ausfällen von 20 bis 30 Prozent“, fügte Funken hinzu.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigt die Verschärfung der Lage: „Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen ist im Vergleich zur Vorwoche deutlich gestiegen.“ Die Zahl der Arztbesuche liege über den Werten vor der Pandemie. „Besonders aus Bayern und Nordrhein-Westfalen wurden viele Influenza­fälle übermittelt“, heißt es im aktuellen Wochenbericht des RKI. Neun Prozent der Patienten werden im Krankenhaus behandelt, bundesweit wurden die ersten 23 Influenza-Toten gemeldet.

Trotzdem debattierten die Gesundheitsminister der Länder am Montag über Lockerungen bei der Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie bei der Isolation von Infizierten. „Die Maskenpflicht sollte langsam weichen, man sollte auf Freiwilligkeit setzen“, sagte Funken. Im öffentlichen Nahverkehr werde die Pflicht nicht überall eingehalten, Verstöße würden nicht sanktioniert. In Altenheimen müsse die Maskenpflicht aber bleiben.

Auch ein Team um den Berliner Mobilitätsforscher Kai Nagel hat in einer aktuellen Studie herausgefunden, dass ein Ende von Masken- und Isolationspflicht nicht zu einer Überlastung der Krankenhäuser führen würde. Bei einem Verzicht auf die Isolationspflicht würde sich demnach die Zahl der Einweisungen in Kliniken zwar zunächst verdoppeln. Allerdings wird als Hospitalisierungsinzidenz (also als Zahl der wöchentlichen Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner) ein Wert zwischen 9,2 und 11,8 geschätzt. Mitte Oktober, als die Herbstwelle ihren Höhepunkt erreichte, lag die Hospitalisierungsinzidenz doppelt so hoch, ohne dass es zu einer Überlastung kam.

Noch geringere Auswirkungen zeigt die Simulation bei der Abschaffung der Maskenpflicht in Bussen und Bahnen. Das Team ging davon aus, dass statt 50 Prozent der Fahrgäste dann niemand mehr eine Maske trägt. Unterstellt man die Mobilitätsdaten von Google und simuliert entsprechende Ansteckungshäufigkeiten, dann steigt die Hospitalisierungsinzidenz um maximal zehn Prozent. Als Fazit ziehen die Berliner Forscher, die in früheren Studien vor Corona-Gefahren gewarnt haben, dass die Auswirkungen der Abschaffung der Isolations- und Maskenpflicht „mit Blick auf die unmittelbare Belastung des Gesundheitssystems beherrschbar“ seien.

Nordrhein-Westfalen will dagegen an den Regeln festhalten. „Aufgrund des aktuellen Covid-Infektionsgeschehens halten wir die bestehenden Regelungen mit Masken- und Isolationspflicht derzeit nach wie vor für erforderlich, aber auch ausreichend“, erklärte ein Sprecher von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Die Zahl stationär behandelter Covid-Patienten steige wieder leicht, wenn sie auch auf einem „recht niedrigen Niveau“ liege. Ähnlich sei die Situation auf den Intensivstationen. Es sei auch die hohe Zahl an Influenza- und RS-Infektionen zu beachten. Man prüfe aber auf Basis des Infektionsgeschehens laufend alle Regelungen. Der Sprecher erinnerte daran, dass seit 1. Dezember die Freitestung entfällt, sodass die Isolation für Infizierte nach fünf Tagen endet.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht die Lage vieler Kinderkliniken kritisch. Teilweise müssten Kinder für ein freies Klinikbett weit mehr als 100 Kilometer gefahren werden. Das System werde seit Jahren „gegen die Wand gefahren“. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) regte zur Lösung an, dass Pflegekräfte von Erwachsenen- auf Kinderstationen verlegt werden, Krankenkassen die Personalvorgaben nicht prüfen und Eltern Vorsorgeuntersuchungen der Kinder verschieben.

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