Erkenntnisse aus der Corona-Pandemie Experten sehen Schulen als Schlüssel zur Krisenbewältigung

Düsseldorf · Wenn Kitas und Schulen schließen, trifft es die ganze Gesellschaft: Kinder, Eltern, Arbeitswelt. Umgekehrt könnten Schulen dazu beitragen, dass die Allgemeinheit eine Krise besser bewältigt. Fachleute erörtern, wie das gehen soll und was dafür nötig wäre.

Mit Masken im Unterricht (Symbolbild). Unstrittig ist: Die Schulschließungen in der Coronapandemie haben große Schäden angerichtet, nicht nur, aber vor allem bei jungen Menschen.

Mit Masken im Unterricht (Symbolbild). Unstrittig ist: Die Schulschließungen in der Coronapandemie haben große Schäden angerichtet, nicht nur, aber vor allem bei jungen Menschen.

Foto: dpa/Matthias Balk

Die Folgen der Coronapandemie sind für Kinder und Jugendliche dramatisch. In dieser traurigen Erkenntnis waren sich alle Sachverständigen am Dienstag einig. Doch bei einer Expertenanhörung vor dem Schul- und dem Familienausschuss des Landtages ging es auch um Ansätze, um es bei künftigen Krisen besser zu machen.

„Das Bildungswesen hätte einen Beitrag leisten können, um das Pandemiegeschehen besser zu bewältigen“, sagte Professor Harald Karutz, Pädagoge und Fachmann unter anderem für psychosoziales Krisenmanagement. Der Umgang mit Ängsten, Informationsflut und Fake News sollten in solchen Situationen Unterrichtsinhalte werden. Ebenso wie sozialwissenschaftliche Themen, etwa das Verhältnis von Politik und Wissenschaft. Das hätte seiner Ansicht nach nicht nur den jungen Menschen genützt, sondern der Gesellschaft insgesamt. Karutz forderte für das Bildungswesen mehr Flexibilität ein, um künftig entsprechend handeln zu können.

Immer wieder betonten die Fachleute gegenüber der Politik, dass es mehr Vernetzung geben müsse: den Blick über den Tellerrand einzelner Institutionen hinaus. „Jugendarbeit und Schule müssen in die Lage versetzt werden, auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten“, sagte Max Holzer, Vorsitzender des Landesjugendrings NRW. Vielfach hätten junge Leute während Corona digitale schulische Angebote nicht mal wahrnehmen können, hätten sie es nicht in Jugendeinrichtungen tun können. Und nun sei durch die Corona-Schließungen die Landschaft der Jugendarbeit „erodiert“: „Wir haben zwei Jahre an ehrenamtlichen jungen Menschen verloren, die nicht die Erfahrung gemacht haben, im Sommerlager älter zu werden.“

Professor Sabine Walper vom Deutschen Jugendinstitut sagte, Einrichtungen seien krisenresilient, wenn sie kurze Wege zu wichtigen Partnern hätten. So zur Kinder- und Jugendhilfe, auch zum öffentlichen Gesundheitswesen: „Man muss auf funktionierende Kooperationen zurückgreifen können.“ Zu ihren zentralen Empfehlungen gehörte es, Kitas und Schulen sofort fit zu machen für künftige Ereignisse. „Wir wissen nicht, welche Pandemien uns noch ereilen.“ Aber es müsse dann bereits einen Plan geben, man dürfe nicht mehr ad hoc reagieren.

Anerkennung aus der Praxis gab es für das Corona-Handlungskonzept, das Schulministerin Dorothee Feller (CDU) den Schulen im Sommer mit Blick auf den Herbst an die Hand gegeben hat. Die kommunalen Spitzenverbände verlangten für Schulen und Kitas Ressourcen: Planungssicherheit, Fachkräfte, ausreichende Finanzierung, multiprofessionelle Teams. Hintergrund der Anhörung war die noch offene Frage, ob Schulen im formalen rechtlichen Sinne zur „kritischen Infrastruktur“ erklärt werden sollten. Die SPD fordert das in einem Antrag.

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