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Corona-Impfung für Kinder: Kinderärzte kritisieren Politik-Vorpreschen

Stiko-Empfehlung steht noch aus : Kinderärzte kritisieren Politik-Vorpreschen bei Kinderimpfungen

„Wer glaubt, dass Herr Laumann für medizinische Fragen qualifiziert ist, der darf sich gern von ihm den Blinddarm rausnehmen lassen“, heißt es vom Berufverband der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein. Die Ärzte betonen die noch fehlende Empfehlung durch die Stiko.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein kritisiert ein Vorpreschen der Politik in der Frage der Corona-Impfungen für Fünf- bis Elf-Jährige noch vor einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). „Wer glaubt, dass Herr Laumann für medizinische Fragen qualifiziert ist, der darf sich gern von ihm den Blinddarm rausnehmen lassen. Impfempfehlungen kommen von der Stiko, nicht von der Politik“, sagte der Sprecher des Verbandes, der Bonner Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin Axel Gerschlauer, am Donnerstag. Er wirft Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) und anderen Politikern vor, wieder bei Kinderimpfungen vorzupreschen, die aber nicht entscheidend für den weiteren Verlauf der Pandemie seien.

Es müsse deutlich gemacht werden, dass die etwa 15 Millionen noch ungeimpften Erwachsenen in Deutschland über den Verlauf der Pandemie entschieden. Bei den Fünf- bis Elf-Jährigen verlaufe Covid-19 meistens symptomlos oder sehr mild. „Da ist der Zeitdruck sicherlich gering“, sagte Gerschlauer. Wie schon bei der Gruppe der Zwölf- bis 15-Jährigen gebe es wieder übereilte Politikeräußerungen, die viele Anfragen von Eltern in den Praxen auslösten. „Ich habe ein Dé­jà-vu.“

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Wenn die europäische Arzneimittelbehörde EMA einen Impfstoff zulasse, könne er benutzt werden. Wenn die Stiko ihn dann empfehle, solle er benutzt werden, erläuterte der Verbandssprecher. Dann komme es auch darauf an, ob die Stiko den Impfstoff für chronisch kranke Kinder in dieser Altersgruppe oder für alle Kinder empfehle. „Entscheidend ist nicht die Zulassung, sondern die Empfehlung“, betonte Gerschlauer.

Sollte es eine Impfempfehlung für chronisch kranke Kinder des unabhängigen Expertengremiums geben, könnten die Kinderärzte das bewältigen. „Sollte eine generelle Impfung der 5- bis 11-Jährigen empfohlen werden, kann es sein, dass wir das nicht mehr stemmen können. Die Praxen arbeiten schon hart am Limit“, erklärte er.

Laumann hatte am Mittwoch angekündigt, dass schon jetzt die Vorbereitungen für Impfungen in der nächsten Altersgruppe unter zwölf Jahren anlaufen sollen. Die EMA hatte dann am Donnerstagmittag grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder ab fünf Jahren gegeben. Offiziell muss die EU-Kommission noch zustimmen - das aber gilt als Formsache.

(bora/dpa)