1. NRW
  2. Landespolitik

Corona: 2G in NRW - Städte rufen nach schärferen Regeln

Corona-Regeln : Städte in NRW rufen nach 2G-Regel

Der Städtetag hat sich am Wochenende dafür ausgesprochen, nur noch Genesene und Geimpfte zu Freizeitaktivitäten zuzulassen. Widerstand kommt vom Land und den Gastronomen. Die Opposition favorisiert das Hamburger Modell.

Der Vorsitzende des Städtetags NRW, Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) hat eine Verschärfung der Coronamaßnahmen verlangt: „Wir sehen in unseren Städten, dass Infektionen wieder zunehmen und die Gefahr droht, dass sie teilweise außer Kontrolle geraten.“ In NRW solle deshalb der Zugang im Freizeitbereich auf Geimpfte und Genesene beschränkt werden. „Wir brauchen zum Beispiel in Clubs, Diskotheken, Fitnessstudios und für weitere Freizeit-Veranstaltungen eine 2G-Regelung.“ Clausen schlägt vor, dass diese Regelung für Menschen ab zwölf Jahren gelten solle. Für den Handel und weitere Bereiche des täglichen Lebens solle weiter 3G gelten.

Clausen begrüßte zwar, dass die Landesregierung die Regelungen zuletzt deutlich vereinfacht hat. „In den Städten machen wir uns allerdings Sorgen, weil die Zahl der Corona-Infektionen wieder dynamisch wächst, vor allem in den jüngeren Altersgruppen.“ Man wolle nicht, dass Schulen und Kitas wieder geschlossen werden müssten.

Diese Geschichte gibt es auch zum Hören - exklusiv für Sie. Abonnieren Sie jetzt unsere RP Audio-Artikel in Ihrer Podcast-App!

  • Vor einer Bar im Hamburger Stadtteil
    Keine weiteren Einschränkungen für Ungeimpfte : Laumann will vorerst keine 2-G-Regel in NRW
  • Corona-Newsblog : Erstmals mehr als 1000 Corona-Tote an einem Tag in Russland
  • Auch Kreta gilt nun, wie andere
    Kreta, Rhodos und Kos betroffen : Griechische Urlaubsinseln sind nun Corona-Hochrisikogebiete

Scharfe Kritik kam vonseiten der Gastronomie. „Eine gesetzliche Verpflichtung zu 2G für alle gastgewerblichen Betriebe lehnen wir entschieden ab“, sagte NRW-Dehoga-Regionalpräsident Haakon Herbst. „Der Staat will keine Impfpflicht beziehungsweise kann sie rechtlich nicht durchsetzen.“ Wer 2G aber verpflichtend einführen wolle, der schaffe die Impfpflicht durch die Hintertür. „Und diese Hintertür soll unsere Restauranttür sein. Wir wollen uns aber nicht instrumentalisieren lassen“, so Herbst. „Natürlich liegt es in unserem Interesse, dass möglichst viele Menschen geimpft sind, aber die Verantwortung, dass Menschen sich impfen lassen, darf nicht auf Gastronomie und Hotellerie übertragen werden.“ Zugleich unterstrich Herbst, dass es nicht noch einmal zu weiteren Einschränkungen bis hin zu Schließungen im Gastgewerbe kommen dürfe. „Wir begrüßen deshalb weiterhin die grundsätzliche Abkehr vom Inzidenzen-Regime durch die neue Coronaschutzverordnung. Der Weg über die 3G-Regelung ist in Ordnung, auch wenn er zu mehr Bürokratie, mehr Diskussionen mit Gästen und Umsatzeinbußen führt.“ Wenn sich einzelne Mitgliedsbetriebe aus strategischen Motiven freiwillig für den „2G- Weg“ entschieden, sei das natürlich okay, weil sie es im Rahmen ihres Hausrechts tun.

Rückendeckung gab es von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Dieser sagte dem WDR: „Ich möchte zum jetzigen Zeitpunkt nicht 2G. Ich möchte jetzt erst einmal beim Testen bleiben.“ NRW-Oppositionsführer Thomas Kutschaty (SPD) sagte, niemand werde gezwungen, sich impfen zu lassen. Und natürlich müssten auch Ungeimpfte weiter die Möglichkeit haben, am gesellschaftlichen Alltag teilzunehmen. „Das ist für mich selbstverständlich“, so Kutschaty. „Das heißt aber im Gegenzug nicht, dass Geimpfte und Ungeimpfte immer und überall gleich behandelt werden müssen.“ Kutschaty nannte in diesem Zusammenhang den „Hamburger Weg“ einen klugen und vernünftigen Ansatz. Veranstalter und Wirte in der Hansestadt können seit Samstag selbst entscheiden, ob sie nur Geimpfte und Genesene einlassen, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind, oder ob sie weiter das 3G-Modell nutzen wollen – also auch aktuelle Tests akzeptieren. Wer mitmachen möchte, muss sich über eine Webseite anmelden.

Rufe nach einem 2G-Modell kommen auch aus der am stärksten betroffenen Stadt in NRW: Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 249,9 (Stand Samstag laut Robert-Koch-Institut) nimmt Wuppertal derzeit einen unrühmlichen Spitzenplatz nicht nur unter den NRW-Städten, sondern bundesweit ein. Für Oberbürgermeister Uwe Schneidewind (Grüne) ein dringendes Signal, um massiv gegenzusteuern. Er fordert daher gemeinsam mit vielen anderen NRW-Städten die Landesregierung dazu auf, unbedingt und schnell auf die 2G-Regel umzustellen. „Nur so erhöhen wir die Impfbereitschaft, nur so tragen wir dazu bei, dass die vielen Impfangebote, die wir auch hier in Wuppertal vor Ort machen, auch wirklich angenommen werden“, sagt Schneidewind. „Und nur so können wir die besser schützen, die sich nicht impfen lassen können.“