Christian Wulff hatte schon Antworten für die heutige Islam-Debatte

Islamdebatte : Konstruktive Muslime sind willkommen

NRW tut sich schwer damit, Islam-Repräsentanten zu identifizieren, die über die Zukunft des Islam-Unterrichtes an deutschen Schulen mitbestimmen sollen. Das ist erstaunlich, denn die Auswahlkriterien hat Christian Wulff schon vor fast zehn Jahren definiert.

Als der damalige Bundespräsident Christian Wulff vor neun Jahren sagte, „der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“, war das mutig. Der im Rückblick vielleicht meistunterschätzte Bundespräsident wusste, was er mit diesem Machtwort riskiert – und stand damit ja auch jahrelang in der Kritik. Aber seine Klarstellung war notwendig. Denn gut einen Monat vorher hatte Thilo Sarrazin (SPD) die öffentliche Debatte mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ noch beängstigend erfolgreich in ein ganz anderes Fahrwasser gelotst. Wulffs Intervention stoppte diese Drift früh genug, und die fremdenfeindlichen Töne wichen der konstruktiven Frage, wie ein Miteinander von Islam und abendländischer Lebensart in Deutschland gestaltet werden kann.

Leider ist diese Frage bis heute unbeantwortet, was regelmäßig in allen Bereichen des öffentlichen Lebens sichtbar wird. Aktuell in der Unfähigkeit, ein schlüssiges Auswahlverfahren für solche Islam-Repräsentanten zu definieren, die mehr Einfluss auf den Islam-Unterricht an deutschen Schulen bekommen sollen.

Schade. Denn in einer weniger beachteten Rede hat Wulff auch diese Antwort schon vorgedacht. Ebenfalls 2010 sagte er vor der türkischen Nationalversammlung: „Ich ermutige alle in meiner Heimat, sich verantwortungsvoll einzubringen. Als ihr aller Präsident fordere ich, dass jeder Zugewanderte sich mit gutem Willen aktiv in unsere deutsche Gesellschaft einfügt.“ Wer sich nicht einfügen, sondern die Gesellschaft unter Umständen sogar mit Zwang revolutionieren will, ist also genau nicht gemeint. Das gilt leider auch für Teile des Zentralrats der Muslime (ZMD), die vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Solange der ZMD sich von diesen Teilen nicht distanziert, hat er in Gremien, die über die Zukunft des Schulunterrichts in Deutschland entscheiden, nichts verloren.