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Umstrittene Schulpolitik in NRW: Chaos bei Turbo-Abitur befürchtet

Umstrittene Schulpolitik in NRW : Chaos bei Turbo-Abitur befürchtet

Die Ankündigung von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), dass die Gymnasien einmalig entscheiden können, ob sie am Turbo-Abitur (acht Jahre) festhalten oder zu neun Jahren Schulzeit zurückkehren wollen, hat scharfe Kritik des Philologenverbandes hervorgerufen. Es mache keinen Sinn, die Reform wieder zurückzudrehen, so Verbandsvorsitzender Peter Silbernagel zu unserer Redaktion.

Die Wahlmöglichkeit werde zu einem "Organisationschaos" führen. Die neunjährige Schulzeit könne dann doch wohl nur für Neuaufnahmen gelten, sagte Silbernagel. Das Zurückdrehen auf neun Jahre sei den Kommunen, die inzwischen alle nötigen Anschaffungen für das Turbo-Abi vorgenommen hätten, nicht zuzumuten. Er rechne damit, dass die allergrößte Zahl der 630 Gymnasien in NRW am Turbo-Abitur festhalten werde.

Der Lehrerverband NRW, der die Haupt- und Realschulen vertritt, hält nichts von der Gründung von Gemeinschaftsschulen. Damit sei der Weg in die Einheitsschule vorgezeichnet, so die Landesvorsitzende Brigitte Balbach. Silbernagel betonte, wenn man die Ankündigungen der rot-grünen Landesregierung ernst nehme, dann sei das Gymnasium als Schulform in NRW bedroht — "auch wenn Frau Löhrmann etwas anderes suggeriert".

Demgegenüber begrüßen der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die "pädagogische Neuausrichtung der Schulpolitik" in NRW. Gemeinschaftsschulen gäben den Schulträgern die gewünschten Gestaltungsoptionen für ein vollständiges Schulangebot, sagt VBE-Landeschef Udo Beckmann.

(RP)