CDU-Mitglieder: Der befürchtete "Merz-Rutsch" bleibt aus

Parteien: Rheinische CDU kann mit AKK gut leben

Die Wahl der neuen Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer führt offenbar zu vermehrten Parteieintritten in der Region. Der befürchtete „Merz-Rutsch“ bleibt aus

Die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Bundesvorsitzenden vor knapp einem Monat scheint sich im Rheinland positiv auf die Mitgliederentwicklung der CDU auszuwirken. Das ergab eine Umfrage unserer Redaktion bei den Kreisverbänden der Partei in der Region.

Dabei meldeten elf der befragten Rheinland-Kreisverbände für den Zeitraum unmittelbar nach der Wahl am 7. Dezember in der Summe 55 Neumitglieder bei 35 Austritten. Einige Kreisverbände machten gar keine Angaben und andere wie der Kreisverband Köln meldeten nur einen „positiven Effekt“, nannten aber keine Zahlen. „Wir haben seitdem fast doppelt so viele Eintritte wie Austritte registriert. Wir nennen es den AKK-Effekt“, sagt die Kölner CDU-Bundestagsabgeordnete Gisela Manderla.

Als Kramp-Karrenbauers konservativer Wettbewerber um das Amt, der Sauerländer Friedrich Merz, bei der Kampfabstimmung knapp unterlag, befürchteten Parteistrategen zunächst eine Austrittswelle von enttäuschten Merz-Fans - sozusagen einen „Merz-Rutsch“. Der bleibt aber offenbar aus. Bezogen auf die gesamte Partei sagte NRW-Ministerpräsident und CDU-Landeschef Armin Laschet vor wenigen Tagen: „Nach meiner heutigen Einschätzung wird das Saldo eher positiv sein als negativ.“ Laschet zufolge hat die Art der offenen Diskussion um die Besetzung der Parteispitze anziehend auf viele Neumitglieder gewirkt. Die Bewerber um das Amt hatten sich vor der Wahl auf mehreren Regionalkonferenzen der Diskussion mit der Parteibasis gestellt.

So sagte auch ein Neumitglied aus dem Kreis Bonn, das unmittelbar nach dem Bundesparteitag in die CDU eingetreten ist, mit Blick auf die parteiinterne Diskussion um den Vorsitz: „Ich fand mich hier nicht nur in meiner christlich-sozialen Überzeugung bestätigt, sondern entdeckte auch den volksparteilichen Charakter der CDU wieder.“

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Die größten Bewegungen gab es im Süden: Der Kreisverband Bonn meldete nach dem Bundesparteitag jeweils zehn Ein- und Austritte, der Rhein-Sieg-Kreisverband zehn Aus- und elf Eintritte. Der Kreisverband Ahrweiler meldete elf Eintritte bei nur drei Austritten, der Kreisverband Neuwied verlor zwei Mitglieder und gewann fünf neue. Der Kreisverband Düsseldorf meldete drei Austritte bei sechs Eintritten. Der Kreisverband Düren-Jülich verlor vier Mitglieder und gewann eines, im Kreisverband Aachen-Land war es genau umgekehrt, die Kreisverbände Aachen-Stadt und Leverkusen verloren jeweils keines und gewannen drei Mitglieder. Der Kreisverband Euskirchen gewann und verlor je ein Mitglied, Wesel verlor ein Mitglied.

Die CDU hat in NRW über 50 Kreisverbände, die jeweils mehrere Tausend Mitglieder haben. Insgesamt zählt die CDU in NRW über 125.000 Mitglieder und ist damit die stärkste Partei im Land, obwohl sie im Gesamtjahr 2018 etwa 3.370 Mitglieder verloren hat. Die SPD verlor über 2.000 Anhänger und zählt jetzt nur noch 109.000 Mitglieder in NRW. CDU und SPD verloren die meisten Mitglieder durch den Tod.

Die kleinen Parteien in NRW haben hingegen im Jahr 2018 unter dem Strich Mitglieder gewonnen. So zählen die NRW-Grünen inzwischen rund 14.800 Mitglieder (plus 1.600), die FDP 17.500 (plus 500) und die AfD 5272 (plus 1000). Proportional ist die AfD im Jahr 2018 somit am stärksten gewachsen: Ihr Mitglieder-Zuwachs betrug 23,4 Prozent. Die Linke gewann 367 Mitglieder hinzu und zählt 8184 Mitglieder in NRW.

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