Bottrop: Ministerpräsident Armin Laschet würdigt Bergleute

Mai-Kundgebung in Bottrop : Ministerpräsident Laschet würdigt Bergleute

Im letzten Jahr der deutschen Steinkohleförderung haben Gewerkschaftsvertreter und Ministerpräsident Armin Laschet zum 1. Mai die Leistungen der deutschen Bergleute gewürdigt.

"Ohne die Bergleute und Stahlarbeiter wäre Deutschland nie eine der erfolgreichsten Industrienationen der Welt geworden", sagte der Chef der Energie-Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, bei der zentralen Mai-Kundgebung in der Bergbaustadt Bottrop.

Deutschland schulde den Bergleuten Dank, sagte die NRW-Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Anja Weber. Deshalb dürfe der Strukturwandel in den Bergbauregionen auch nicht als Privatproblem einiger Bürgermeister angesehen werden. Der Staat und das Land Nordrhein-Westfalen müssten mehr investieren. "Der Zusammenhalt, der das Ruhrgebiet und unser Land geprägt hat, bleibt. Und wir müssen ihn bewahren, auch wenn die letzte Schicht gefahren ist", bekräftigte Laschet. "Die Kohle geht, der Kumpel bleibt", stand auf einem Transparent.

An der Kundgebung unter dem Motto "Vielfalt, Gerechtigkeit, Solidarität" nahmen laut Veranstalter rund 1500 Menschen teil. NRW-weit beteiligten sich laut DGB mehr als 73.000 Menschen an den verschiedenen Veranstaltungen zum Maifeiertag.

In Bottrop schließt zum Jahresende nach 162 Jahren Steinkohlebergbau die letzte deutsche Steinkohlezeche im Ruhrgebiet. Gleichzeitig endet der Abbau in Ibbenbüren im Münsterland. Damit ist der Steinkohleabbau in Deutschland nach rund 200 Jahren Geschichte.

Noch vor 60 Jahren habe die Steinkohle im Ruhrgebiet rund 500.000 gut bezahlte Jobs gesichert, sagte Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler (SPD). Nun blieben nur einige Hundert zur Abwicklung der Industrieanlagen. Die Region brauche Unterstützung auf dem Weg der Veränderung. Dazu könnten zum Beispiel Behördenstandorte und Forschungseinrichtungen im Ruhrgebiet angesiedelt werden.

Die schwarz-gelbe NRW-Landesregierung hatte vor wenigen Tagen im Landtag ihr Konzept einer "Ruhrkonferenz" vorgestellt, in der Fachleute und Regierungsvertreter langfristig neue Ideen für die Region erarbeiten. Die Konferenz sei eine "gute Idee", sagte die DGB-Chefin Weber in Bottrop. Leuchtturmprojekte in Wissenschaft und Bildung allein nützten aber Alleinerziehenden und Langzeitarbeitslosen wenig.

Vassiliadis forderte Augenmaß bei der Energiewende hin zu erneuerbarer Erzeugung. Die Energiepreise müssten für die Unternehmen und die privaten Stromkunden bezahlbar bleiben. Zugleich dürfe es keine weiteren "überhasteten Ausstiege" aus Industriebranchen geben. Wenn der Ausstieg aus der Braunkohle irgendwann komme, müsse er wie bei der Steinkohle sozialverträglich und mit Maß ablaufen, unterstrich Laschet.

(mro)
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