"Boston Consulting"-Studie: 300.000 neue Jobs in NRW möglich

Studie von Unternehmensberatung: 300.000 neue Jobs in NRW möglich

Nordrhein-Westfalen bleibt wirtschaftlich unter seinen Möglichkeiten. Eine neue Studie zeigt: Mit besserer Politik könnten neue Chancen entstehen. Die Landesregierung sieht sich dennoch bestätigt.

Die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen fällt seit Jahren gegenüber dem Bundesdurchschnitt zurück. Der Staat investiert zu wenig, die Unternehmen forschen viel weniger als etwa in Bayern, junge Talente verlassen zu Tausenden das Land, die Infrastruktur ist ein Sanierungsfall. Dieses alarmierende Bild zeichnet eine bisher unveröffentlichte Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting, die unserer Redaktion vorliegt.

Das Expertenteam hat auch eine Strategie entwickelt, mit der die Wirtschaftsleistung des Landes um 38 Milliarden Euro gesteigert werden könnte – also um sechs Prozent. "Damit sind in NRW mittelfristig mehr als 300.000 zusätzliche Jobs möglich", sagte Heinrich Rentmeister, Leiter des Bereichs öffentlicher Sektor bei Boston Consulting: "Mit einer intelligenten Wachstumsstrategie hätte NRW eine gute Chance, wieder ganz vorne zu sein."

Straßen müssen saniert werden

Mit fünf Maßnahmen soll das Land nach der Vorstellung der Berater die Wende schaffen. Die Landesregierung, egal von welcher Partei sie nach der Wahl am 14. Mai gestellt werde, solle viel weniger für Personal ausgeben und die Verwaltung stärker digitalisieren. Das verhindere weitere Schulden und schaffe Raum für Investitionen.

Die Straßen des Landes müssten endlich saniert werden - das könne zwei Milliarden Euro bringen, weil dann Firmen und Bürger weniger Zeit durch Staus verlören. Ein Ausbau der Glasfasernetze für jeden zweiten Anschluss im Land könnte zehn Milliarden Euro neuer Wirtschaftskraft bringen. Zudem müsse NRW Frauen und Flüchtlinge besser in den Arbeitsmarkt integrieren und die weitere Abwanderung von Hochschulabsolventen speziell nach Bayern und Baden-Württemberg verhindern – dies könne einer Wertschöpfung von zehn Milliarden Euro entsprechen.

Als Ergebnis einer wirtschaftsfreundlicheren Politik sollten schließlich die Anreize für Unternehmen wachsen, mehr für Forschung und Entwicklung auszugeben. "In NRW investieren die Unternehmen nur zwei Prozent ihres Umsatzes in neue Produkte, in Baden-Württemberg fast fünf Prozent", sagte Rentmeister: "Das sollte Maßstab sein." Als Ergebnis könnte die Wirtschaftskraft des Landes in einigen Jahren um 16 Milliarden Euro wachsen.

  • Studie von Boston Consulting : Wo NRW besser werden muss

Mehr Freiheit für Hochschulen

Für den Weg dahin schlägt Boston Consulting vor, die im Schnitt sehr hohe Gewerbesteuer zu senken, Bürokratie abzubauen sowie eine engere Kooperation zwischen Hochschulen und Firmen voranzutreiben. "NRW verfügt mit rund 70 Hochschulen über eine sehr dichte Wissenschaftslandschaft mit Hunderttausenden angehenden Akademikern", so Rentmeister: "Wir sollten Hochschulen mehr Freiheit geben, mit der Wirtschaft zu kooperieren."

Dabei sollen mehr Start-ups entstehen. "Viele Konzerne wollen ja mit Jungunternehmen kooperieren", sagte Rentmeister, "um von Ideen rund um Digitalisierung und Technologie zu profitieren." Ein Vorbild sei die Firma Streetscooter in Aachen, die mit Geld der Post Elektrolieferwagen baut und ein zweites Werk in NRW plant.

Arndt Kirchhoff, Präsident der Unternehmerverbände NRW, begrüßte die Vorschläge: "Die Politik braucht Anstöße, wie wir NRW wieder nach vorn bringen. Dazu gehören Initiativen für Bildung, Innovation, Infrastruktur und Breitband." Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) sagte, das Land teile viele Ziele der Studie: "Die Landesregierung setzt bei Glasfaser auf schnellen flächendeckenden Ausbau und gibt beim Straßenbau bereits mächtig Gas." Zudem strebe Nordrhein-Westfalen über die Digitalzentren "engere Kooperationen von Gründern und Traditionswirtschaft an".

Lesen Sie hier, wo sich NRW verbessern muss.

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(kowa)