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Spitzelvorwürfe gegen Ditib: Bis zu 15 Berichte über Gülen-Anhänger nach Ankara weitergeleitet

Spitzelvorwürfe gegen Ditib : Bis zu 15 Berichte über Gülen-Anhänger nach Ankara weitergeleitet

Die Ditib hat die Spitzelvorwürfe gegen Imame des deutsch-türkischen Dachverbands intern aufgeklärt. Das teilte der Abteilungsleiter für Außenbeziehungen, Zekeriya Altug, am Donnerstagabend in Köln mit. Die Ergebnisse sollen in einigen Tagen veröffentlicht werden.

Altug sprach davon, dass Ditib-Imame in 10 bis 15 Fällen Berichte über vermeintliche Gülen-Anhänger nach Ankara weitergeleitet hätten. Angesichts von 900 Moscheegemeinden sei dies eine geringe Zahl; ein "strukturelles Problem" gebe es nicht. Die Anweisungen der türkischen Religionsbehörde Diyanet, Informationen weiterzugeben, sei von den Ditib-Imamen in Deutschland kaum befolgt worden.

Er betonte, dass die Ditib-Gemeinden mit jeweils rund 150 eingetragenen Mitgliedern Imame nicht selbst finanzieren könnten und auf die Diyanet angewiesen seien. Zugleich wies Altug darauf hin, dass die Ditib seit ihrer Gründung auf politische Neutralität setze. In den Gemeinden hätten Menschen aller Couleur Platz, darunter auch Anhänger von Milli Görüs und von Gülen. "Wir wollen die Vielfalt in den Gemeinden erhalten", so Altug. Was über Jahrzehnte gewachsen sei, werde in Zeiten des politischen Ausnahmezustandes in der Türkei nun gefährdet, bedauerte er.

Altug bezeichnete die Diyanet als spirituelles Zentrum für die Ditib. Die Religionsbehörde sei für viele Muslime die Garantie für eine wissenschaftlich saubere Theologie abseits von Tagespolitik und extremistischer Strömungen.

Die Goslarer Soziologin und Islam-Expertin Theresa Beilschmidt betonte, dass die Ditib über lange Jahre kein Bekenntnis zu einer Ideologie eingefordert habe. Die Gemeinden vor Ort sorgten für eine emotionale Verbundenheit in die Türkei. Sie drohten zu Verlierern zu werden, wenn angesichts der aktuellen Entwicklungen der Dialog mit der Ditib beendet werde.

Laut Beilschmidt benötigt die Ditib zwar die theologische Verbindung zur Diyanet, was aber keine strukturelle Verflechtung bedeuten müsse. Sie kritisierte, dass der mit türkischen Botschaftsräten besetzte Ditib-Beirat eine größere Macht ausübe als die Mitgliederversammlung.

(KNA/heif)