Auch männliche Opfer von Gewalt sollen in NRW die Spuren der Tat anonym sichern können.

Zum Schutz von Opfern sexueller Gewalt : Kliniken sollen Spuren sichern

Bei Sexualdelikten sollen Krankenhäuser Beweismittel anonym aufbewahren.

In NRW sollen auch männliche Opfer sexueller Gewalt künftig anonym die Spuren der Tat sichern können. Dieser Vorschlag von CDU- und FDP-Fraktion traf im Landtag auf einhellige Zustimmung der Experten. „Dass Lösungen auch für männliche Betroffene gefunden werden müssen, ist wichtig und nachvollziehbar“, sagte Conny Schulte, Sprecherin des Landesverbands autonomer Frauen-Notrufe NRW. Allerdings sei die Zukunft des Systems zur Anonymen Spurensicherung (ASS) aus finanziellen Gründen schon jetzt unsicher. Daher sei es zurzeit fraglich, wie die bestehenden Modelle wirksam ausgedehnt werden könnten.

Mithilfe von ASS können Opfer einer sexuellen Straftat ihre Verletzungen anonym gerichtsfest dokumentieren lassen. Die oft traumatisierten Betroffenen haben so die Möglichkeit, in Ruhe zu überlegen, ob sie Anzeige erstatten möchten oder nicht. Laut einer EU-Studie von 2014 wird eine von 20 Frauen in Deutschland Opfer einer Vergewaltigung, eine von zehn erlebt andere Formen sexueller Gewalt. Fünf Prozent der Männer gaben in einer Studie an, in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden zu sein. Die Dunkelziffern sind noch höher.

Die nordrhein-westfälische Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) hatte im Juni eine Antragsinitiative auf den Weg gebracht, um eine bundesweit einheitliche Finanzierung der ärztlichen und labortechnischen Leistungen der ASS zu erreichen. Zu diesem Vorstoß äußerten sich die Experten jedoch skeptisch. Zunächst einmal brauche es flächendeckende landesweite Lösungen, sagte Notruf-Expertin Schulte. Weil Ärzte diese Leistungen aufgrund der Anonymität nicht über die Kassen abrechnen könnten, zögen sich immer mehr Krankenhäuser aus der ASS zurück. Schulte und andere Sachverständige schlugen einen staatlich finanzierten Fonds zur Überbrückung vor. Zudem müssten die Untersuchungsabläufe konkretisiert und standardisiert werden, damit die Spuren tatsächlich später vor Gericht verwertbar seien.

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