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NRW-CDU-Chef Armin Laschet im Interview: "Auch bei den Grünen gibt es vernünftige Leute"

NRW-CDU-Chef Armin Laschet im Interview : "Auch bei den Grünen gibt es vernünftige Leute"

Armin Laschet, künftiger Bundes-Vize der CDU und seit 100 Tagen im Amt als Chef des Landesverbands Nordrhein-Westfalen, spricht im Interview mit unserer Redaktion über Inhalte und das Verhältnis zu den Grünen.

Sie kandidieren als stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender beim Parteitag in Hannover im Dezember. Das ist der Start des Niedersachsen-Wahlkampfes. Was können Ihre Parteifreunde aus dem Fiasko bei der Landtagswahl in NRW lernen?

Laschet Der Unterschied zu Nordrhein-Westfalen besteht in Niedersachsen darin, dass die Parteifreunde dort regieren, eine Erfolgsbilanz vorlegen können und einen sehr populären Ministerpräsidenten haben, der fest im Land verankert ist und auch sagt, er wolle sich auf das Land konzentrieren. Das ist für die Wähler entscheidend, wie wir in NRW erfahren haben. Wir werden aus Nordrhein-Westfalen den Niedersachsen-Wahlkampf intensiv unterstützen, denn das ist eine Schlüsselwahl für 2013 . . .

... und in diesem Schlüsselwahljahr rücken Sie in die Spitze der Bundes-CDU — was bringen Sie ein?

Laschet Wir wollen Industrieland bleiben und brauchen dazu bezahlbare Energiepreise. Nordrhein-Westfalen steht in der Bundespolitik exemplarisch für die Herausforderung, Industrie-Arbeitsplätze auf Dauer zu sichern. Darüber hinaus will ich den demografischen Wandel thematisieren. In den NRW-Städten stellt sich deutlicher als in anderen Regionen die Frage, wie wir mit dem Sinken der Einwohnerzahl umgehen. Diese Entwicklungen spürt man hier stärker und viel früher als in der gesamten Bundesrepublik.

Sie haben das Grundsatzprogramm der Jungen Union eingebracht. Es versteht sich als konservativer als die Mutterpartei CDU. Sie auch?

Laschet Das steht und fällt mit der Frage, was "konservativ" bedeutet. Wenn "konservativ" dafür steht, die Politik wieder mehr aus unseren Grundsätzen, aus dem christlichen Menschenbild, heraus zu erklären, dann ist das in der Tat etwas, das die CDU dringend braucht. Wir müssen unterscheidbar, wir dürfen nicht beliebig sein. Aber das heißt nicht, dass wir nur ein konservatives Weltbild hätten. Die Wurzeln der CDU sind auch christlich-sozial und liberal.

Was meinen Sie, wenn Sie Teile des JU-Grundsatzprogramms auch der Mutterpartei empfehlen?

Laschet Die Junge Union übersetzt die Grundsätze des christlichen Menschenbildes in einzelne Politikfelder, bekennt sich klar zu Europa und sagt, dass Verantwortung und Haftung in der Wirtschaft zusammengehören müssen. Wir wollen in der CDU in NRW auch eine Selbstvergewisserung, da können solche Impulse nur hilfreich sein.

Sie rücken an der Bundesspitze auf den Platz von Norbert Röttgen. Sind Sie auch ein Schwarz-Grüner?

Laschet Wenn jemand Schwarz-Grün will, muss die CDU schwarz sein und nicht hellgrün, lindgrün oder mittelgrün. Wir kämpfen bei der Bundestagswahl 2013 für eine Mehrheit mit der FDP. Das ist der uns nächststehende potenzielle Partner. Aber die SPD sollte sich nicht zu sicher sein, sich wieder in eine große Koalition retten zu können. Auch bei den Grünen gibt es vernünftige Leute. Wichtig ist, dass am Ende die Inhalte stimmen.

Gregor Mayntz führte das Gespräch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Armin Laschet - früher ein junger Wilder

(may-)