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Anfragen bei Frauenhäusern in NRW steigen

Corona-Krise : Wieder mehr Notrufe von Frauen

Mehr Frauen suchen seit den Corona-Lockerungen neuerdings wieder Schutz vor häuslicher Gewalt. Für viele hat sich die Lage in jüngster Zeit erheblich verschlechtert.

Mit Beginn der Corona-Lockerungen suchen wieder mehr Frauen Schutz vor häuslicher Gewalt. „Mit der zunehmenden Rücknahme von Einschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hat die Anzahl derer, die beispielsweise die Frauennotrufe und/oder die Frauenberatungsstellen in Anspruch nehmen beziehungsweise Hilfe in einem Frauenhaus suchen, wieder zugenommen“, erklärte NRW-Frauenministerin Ina Scharrenbach (CDU) in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der SPD-Fraktion, die unserer Redaktion vorab vorliegt. „Seit gut zwei Wochen haben wir deutlich mehr Anfragen“, sagte auch Silvia Röck, Leiterin des Frauenhauses der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Düsseldorf. Die Frauen hätten nicht mehr so viel Angst, sich anzustecken.

Die Landesregierung hatte zuletzt über sinkende Zahlen häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie berichtet. „Aber die Vermutung liegt nahe: Wenn die Menschen über eine längere Zeit auf engem Raum zusammen sind, wird es zu mehr häuslicher Gewalt kommen. Doch diesen Schluss lassen die Zahlen bislang nicht zu“, hatte Innenminister Herbert Reul (CDU) diese Entwicklung kommentiert. Wie aus der Antwort auf die kleine Anfrage hervorgeht, sank die Zahl der Fälle im Juni landesweit um fast ein Drittel gegenüber dem Vorjahr auf 2638.

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Die SPD-Fraktion sieht sich in ihrer Einschätzung bestätigt: „Der strikte Verweis auf die polizeilichen Erhebungen der Fälle von häuslicher Gewalt zeichnet ein absolutes Zerrbild. Wir haben immer wieder auf die Aussagen von Expertinnen und der Frauenhäuser verwiesen, wonach es in solchen Krisensituationen erfahrungsgemäß zu einem Anstieg der Fälle kommt“, sagte die frauenpolitische Sprecherin Anja Butschkau. Dieses Eingeständnis müsse bei Ministerin Scharrenbach jetzt auch ein Einlenken nach sich ziehen: „Die Frauenhäuser brauchen dringend Unterstützung bei den Personalkosten.“ Die 1,5 Millionen Euro aus dem Rettungsschirm hülfen da nicht weiter, weil diese Mittel ausschließlich für Sachkosten aufgewendet werden können.

(kib)