1. NRW
  2. Landespolitik

Erschreckendes Umfrage-Ergebnis: An jeder dritten Schule in NRW gibt es Gewalt gegen Lehrer

Erschreckendes Umfrage-Ergebnis : An jeder dritten Schule in NRW gibt es Gewalt gegen Lehrer

Schulleiter in NRW berichten häufiger als im Bundesschnitt von körperlichen Angriffen auf Kollegen.

Gewalt gegen Lehrer gehört an vielen Schulen in Nordrhein-Westfalen zum Alltag. Schulleiter in NRW berichten häufiger als im Bundesschnitt von körperlichen Angriffen auf Kollegen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Lehrerverbands Bildung und Erziehung (VBE). 35 Prozent der befragten Schulleiter in NRW gaben darin an, an ihrer Schule habe es in den vergangenen fünf Jahren Fälle körperlicher Gewalt gegen Lehrer gegeben. Nordrhein-Westfalen liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt: Insgesamt bejahten nur 26 Prozent der Schulleiter diese Frage.

Auch Fälle von Cyber-Mobbing wurden erhoben

Für die Erhebung befragte Forsa 1200 Schulleitungen, davon 252 in NRW. Bundesweit berichteten 48 Prozent der Schulleiter von psychischer Gewalt, also etwa Beschimpfungen und Mobbing, an ihrer Schule. 20 Prozent gaben an, an ihrer Schule seien Lehrkräfte im Internet bedroht worden. Während NRW beim Cyber-Mobbing mit 17 Prozent knapp unter dem Schnitt liegt, liegt der Wert für psychische Gewalt um sieben Punkte darüber. Bereits 2016 hatte der VBE Lehrer befragen lassen; auch damals schnitt NRW besonders schlecht ab.

"Wenn es um Gewalt gegen Lehrkräfte geht, dann belegt Nordrhein-Westfalen also Spitzenplätze. Geht es um Investitionen in Bildung, ist es leider nur im Tabellenkeller zu finden", sagte VBE-Landeschef Stefan Behlau. "Wir sehen hier Zusammenhänge, denn ohne angemessene Ressourcen ist Gewaltprävention schwer möglich." Der VBE geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus: Einige Lehrer sähen die Übergriffe schon als alltäglich an. "Schule ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Der Ton ist insgesamt rauer geworden", beklagte Behlau.

"Wir brauchen ein Wohlfühlgefühl"

Mit der Landesschülervertretung (LSV) NRW hat der VBE ein Positionspapier erarbeitet. Darin fordern die Unterzeichner eine flächendeckende Schulsozialarbeit und kleinere Klassen. "Wir brauchen ein Wohlfühlgefühl an den Schulen", sagte Luca Samlidis von der LSV.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zeigte sich alarmiert. "Gewalt gegen Lehrkräfte ist kein Berufsrisiko", betonte sie: "Gewalt darf an unseren Schulen keinen Platz haben. Hier gibt es keine Toleranz." Gebauer forderte eine "gesellschaftliche Wertedebatte": "Wir brauchen die Unterstützung der Eltern, die ihrerseits klar machen müssen, dass es für Gewalt keine Toleranz gibt."

Gewalt gegen Lehrer wird in NRW nach Angaben des Schulministeriums nicht zentral erfasst. Ein Sprecher verwies auf die Kriminalstatistik, in die auch angezeigte Angriffe auf Lehrer einflössen. 2017 gab es demnach 22.900 Straftaten an Schulen in NRW, davon 3146 Körperverletzungen. Beide Zahlen stiegen im Vergleich zum Vorjahr. Warum in NRW mehr Schulleiter von Gewalt berichten als im Bundesschnitt, kann sich das Ministerium nach eigenen Angaben nicht erklären.

(RP)