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Abitur 2020 in NRW: Wegen Coronavirus um drei Wochen verschoben

Abschlussprüfungen : NRW verschiebt das Abitur um drei Wochen

Drei Wochen vor den Osterferien wurden die Schulen in NRW geschlossen. Jetzt werden die Abiturprüfungen um genau diesen Zeitraum verschoben.

Die schriftlichen Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen beginnen drei Wochen später als geplant. Sie starten nach Angaben der Landesregierung nun am Dienstag, 12. Mai, und dauern bis Montag, 25. Mai. „Damit geben wir den Schülern Zeit, sich weiter vorzubereiten - sie stehen damit auch nicht mehr so unter Stress“, sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Dies gebe den Abiturienten Planungssicherheit und sorge für faire Bedingungen.

In Nordrhein-Westfalen wurden die Schulen wegen der Corona-Krise drei Wochen vor Beginn der Osterferien geschlossen. Eine Woche davon wäre als Mottowoche allerdings ohnehin schulfrei gewesen. An den Abiturprüfungen hatte sich ein Streit unter den Bundesländern entzündet. Bayern etwa verschob den Beginn der Prüfungen bereits auf den 20. Mai. Ein zeitlich abgestimmtes Vorgehen ist damit kaum noch möglich. Zugleich einigten sich die Kultusminister aber darauf, die Abschlüsse gegenseitig anzuerkennen.

Der neue Zeitplan erlaube auch das Nachholen der Vorklausuren, falls diese noch nicht abgeschlossen seien, versicherte Gebauer. Für Kinder mit Vorerkrankungen, die aus Gründen des Infektionsschutzes nicht an den regulären Abiklausuren teilnehmen können, oder für anderweitig erkrankte Kinder gebe es wie immer Nachschreibtermine. Die verpflichtenden Abweichungsprüfungen bei einer Differenz von vier Punkten zur Vornote sollen schon jetzt entfallen, nicht erst im kommenden Jahr. Freiwillig sind Abweichungsprüfungen aber weiterhin möglich.

Für die Lehrer verkürzt sich damit der Zeitraum für die Korrektur der Klausuren. Gebauer kündigte daher an, das Abitur zuerst in den korrekturintensiven Fächern schreiben zu lassen. Der neue Zeitplan funktioniere trotz der Feiertage im Mai. Einzig der Brückentag nach Christi Himmelfahrt müsse für Prüfungen genutzt werden. Die Ausgabe der Abitur-Zeugnisse soll nach derzeitigem Stand wie geplant spätestens am 27. Juni stattfinden.

Die zentralen Prüfungen der Klasse 10, also der Mittlere sowie der Hauptschulabschluss, werden um fünf Tage verschoben. Die Haupttermine in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik sollen vom 12. Mai bis 19. Mai stattfinden.

Für die beruflichen Prüfungen an den Berufskollegs müssten nun neue Termine gefunden werden, in enger Abstimmung mit den Kammern.

In den kommenden Tagen will Gebauer zusammen mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erarbeiten, wie die Prüfungen ablaufen könnten, ohne gegen das Infektionsschutzgesetz zu verstoßen. Eine Sonderregelung werde es für den Kreis Heinsberg geben, wo die Schulen zum Teil schon seit fünf Wochen geschlossen seien. Daraus solle den Schülern kein Nachteil entstehen.

Derzeit sei geplant, die Schulen nach den Osterferien wieder zu öffnen. „Wir schauen aber, wie sich die Situation entwickelt“, sagte Gebauer. Das gelte auch für den Einschulungstermin: „Wir gehen davon aus, dass er bleibt, aber wir haben eine dynamische Situation.“

Eltern und Lehrer in NRW haben die Verschiebung der Abiturprüfungen um drei Wochen überwiegend begrüßt. „Mit der Entscheidung, die Abiturprüfungen zu verschieben, wird verhindert, dass der diesjährige Abiturjahrgang eine Hochschulreife ‚light’ bekommt, deren Anerkennung und Akzeptanz zweifelhaft wäre“, sagte Sabine Mistler, Vorsitzende des Philologen-Verbands NRW. Damit sei gewährleistet, dass noch fehlende Vor-Abitur-Klausuren im Anschluss an die Osterferien geschrieben und Zulassungen erteilt werden können. Für die Schüler sei ebenso eine angemessene Vorbereitung auf die Abiturprüfungen sichergestellt. „Mit Sorge schauen wir auf den stark verkürzten Korrekturzeitraum, dieser kann zur Überbelastung von Lehrkräften führen“, so Mistler.

„Die Verschiebung ist richtig und verhindert ein Abi-Chaos“, sagte auch Andrea Heck, Vorsitzende des Elternvereins in NRW. Schüler bräuchten in dieser Ausnahmesituation Sicherheit und sollten nicht weiter Nachteile zu spüren bekommen. „Meistens bemühen sich die Schüler viel mehr für die Abi-Prüfungen als bei den anderen Klausuren“, sagte Heck. Den Abiturienten diese Chance zu nehmen, weil man die Prüfungen absagt, sei einfach falsch. „Das Abitur ist für die Jugendlichen ein entscheidender Schritt in die Zukunft, den sie aktiv selbst tun müssen und um den man sie nicht bringen darf.“

Kritisch äußerte sich hingegen der Verband Lehrer NRW, der die Interessen der Real- und Hauptschüler vertritt, zur Verschiebung der Prüfungen für den Mittleren und den Hauptschulabschluss um nur fünf Tage. „Es ist illusorisch zu glauben, dass der in drei Wochen landesweiter Schulschließungen ausgefallene Stoff in so kurzer Zeit nachgeholt werden kann“, sagte die Landesvorsitzende Brigitte Balbach.

(kib)