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Syrien-Krieg gilt als Plattform für Radikalisierung: 500 neue gewaltbereite Salafisten in NRW

Syrien-Krieg gilt als Plattform für Radikalisierung : 500 neue gewaltbereite Salafisten in NRW

Die Sicherheitsbehörden sind in Sorge über den massiven Anstieg der radikalen Islamisten in NRW. "Die Zahl der Salafisten, die der Verfassungsschutz in NRW beobachtet, ist in diesem Jahr auf 1500 gestiegen", sagte Burkhard Freier, Chef des Verfassungsschutzes in NRW.

2012 habe die Zahl noch bei 1000 Personen gelegen. Der Anstieg resultiere vor allem aus der massiven Propaganda von Salafisten und aus der Krise in Syrien. "Der Bürgerkrieg liefert eine Plattform, um junge Männer für ihre extremistischen Ziele zu begeistern", sagte Freier. Etwa 100 Männer aus NRW seien bereits nach Syrien ausgereist.

Viele von ihnen würden im Umgang mit Waffen und Sprengstoff geschult. "Wir gehen davon aus, dass sie radikalisiert nach NRW zurückkehren", warnte der Chef des Verfassungsschutzes. Als angesehene Kämpfer könnten sie zur weiteren Radikalisierung der hiesigen Szene beitragen. Deshalb hätten Polizei und Verfassungsschutz diesen Personenkreis besonders im Visier, sagte Freier.

Auch die Mitglieder der Sauerlandgruppe, die im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ausgebildet wurden, seien mit dem Auftrag zurückgekommen, in Deutschland Anschläge zu verüben. "Aus diesen Fällen wissen wir, dass sich die Sicherheitslage durch die Rückkehrer verändert", sagte Freier. Immer häufiger zeigten sich die Islamisten öffentlich. "Sie versuchen sogar vereinzelt neue Anhänger anzuwerben, indem sie Schüler ansprechen und Flyer verteilen", erklärte der Sicherheitsexperte.

In drei Städten — Bonn, Bochum und Düsseldorf — hat der Verfassungsschutz jetzt das Pilotprojekt "Wegweiser" gestartet. Dort sollen Sozialarbeiter Jugendlichen, die sich für den Salafismus interessieren, dabei helfen, persönliche Probleme zu lösen.

Peter Biesenbach, Innenexperte der Union, befürchtet, dass die Sicherheitslage in Nordrhein-Westfalen deutlich kritischer ist als bislang angenommen. Verena Schäffer, innenpolitische Sprecherin der Grünen, warnte darüber hinaus davor, dass sich die demokratische Gesellschaft nicht zulasten der Freiheitsrechte einschüchtern lassen dürfe.

Hier geht es zur Infostrecke: Fakten zum Salafismus in Deutschland

(gmv)