5. Juni 2003: War der Tod von Jürgen Möllemann Selbstmord?

Suizid oder Unfall? : Vor 15 Jahren stürzte Jürgen Möllemann in den Tod

War es ein Unfall oder Selbstmord? Der Tod des langjährigen FDP-Politikers Jürgen Möllemann bleibt auch 15 Jahre danach ein Rätsel, das man wohl nie lösen wird.

Die Berichterstatter damals verglichen den Tod des langjährigen FDP-Politikers Jürgen Möllemann ziemlich schnell mit dem von Uwe Barschel (CDU), der im Oktober 1987 nach seinem Rücktritt als schleswig-holsteinischer Ministerpräsident tot in der Badewanne eines Genfer Hotels gefunden worden war. Schon damals gab es Zweifel, dass Barschel sich selbst umgebracht hat. Sein Tod wurde zu einer Legende.

Eine ähnliche Legendenbildung setzte auch nach dem Tod des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers und Vizekanzlers ein. Am 5. Juni 2003 - vor 15 Jahren - sprang der passionierte Fallschirmspringer in den Tod. Unklar ist bis heute, ob es sich um einen Suizid handelte oder um einen Unfall.

Der Obduktionsbefund, der damals wenige Tage nach dem Todessprung veröffentlicht wurde, legt ersteres nahe. Seine Verletzungen ließen darauf schließen, dass Möllemann bei seinem Fallschirmsprung bis zum Aufschlag absichtlich in der stabilen Freifaller-Position der Fallschirmspringer und daher sehr wahrscheinlich bei Bewusstsein war.

Zeugen beschrieben damals, dass Möllemann erst seinen Fallschirm öffnete, ihn wenige hundert Meter über dem Boden abwarf und dann seinen Reserveschirm nicht öffnete. Das automatische Rettungssystem war abgeschaltet, ergaben die Ermittlungen später. Ein technisches Versagen wurde ausgeschlossen. Ob Möllemann vergessen hatte, es zu aktivieren, oder ob er es absichtlich nicht eingeschaltet hatte, blieb ungeklärt.

Als Anlass für den Todessprung sahen damals viele die laufenden Ermittlungen wegen eines anti-israelisches Flugblattes, illegalen Parteispenden und wegen Steuerhinterziehung. Am Todestag ließen die Ermittler des Landeskriminalamts NRW seine Wohnräume in Münster durchsuchen. In den Unterlagen fanden sich Hinweise auf dubiose Waffengeschäfte in Saudi-Arabien - das befeuerte Spekulationen, der israelische Geheimdienst habe ein Auge auf Möllemann geworfen. Das scheint er zumindest zeitweise auch selbst geglaubt zu haben, wie ein Bericht im Magazin „Stern“ nahelegt.

Aber die Tatsache, dass Möllemann keinen Abschiedsbrief hinterließ, ließ manche damals an der Selbstmord-Theorie zweifeln. Möllemann hatte zwar wenige Wochen vor seinem Tod seinem Parteifreund Wolfgang Kubicki einen Brief übergeben. Dessen Inhalt wurde der Öffentlichkeit erst zehn Jahre später bekannt. Er setzte darin seine Ehefrau als Alleinerbin ein. Aber einen möglichen Suizid erklärte er darin nicht.

Jedoch erscheint Selbstmord 15 Jahre nach dem Tod Möllemanns vielen am wahrscheinlichsten. Viele Freunde mit FDP-Parteibuch hatte Möllemann zum Zeitpunkt seines Todes nicht mehr. Im Wahlkampf 2002 hatte er begonnen, sein eigenes Lebenswerk zu zerstören. Damals ließ er als Landesvorsitzender an die Haushalte in Nordrhein-Westfalen anti-israelische Flugblätter verteilen und löste damit eine öffentliche Welle der Empörung aus. Zumal er in verschiedenen Interviews nachlegte. Er verstieg sich dazu zu behaupten, der damalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon und der damalige Vize-Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, hätten dem Antisemitismus Zulauf verschafft.

Diese öffentliche Konfrontation mit den Juden in Deutschland führte dazu, dass Möllemann seine Parteiämter verlor, aus der Bundestagsfraktion der FDP ausgeschlossen wurde und schließlich aus der Partei austrat. Am Ende stand der einstige Star der Liberalen völlig isoliert da.

Möllemanns Freund Kubicki erklärte damals in einer Talkshow wenige Tage nach dessen Tod, er gehe von einem Selbstmord aus. „Ich habe keine Anhaltspunkte dafür, dass es anders gewesen sein könnte“, sagte Kubicki.

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(heif)
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