209 Häftlinge in NRW sitzen seit mindestens 15 Jahren im Gefängnis

Bericht des Justizministeriums : So viele Menschen in NRW sitzen seit mehr als 30 Jahren im Gefängnis

Unfreiwilliger Rekordhalter ist ein Verbrecher, der seit 48 Jahren eingesperrt ist. Aus dem Bericht des NRW-Justizministeriums geht auch hervor, wie viele Häftlinge seit Juli 2017 aus dem Strafvollzug entkommen sind. 92 sind noch immer auf der Flucht.

In Nordrhein-Westfalen gibt es zurzeit 209 Langzeitinhaftierte, die seit mehr als 15 Jahren hinter Gittern sitzen. Darunter sind 36 Menschen, die seit mehr als 30 Jahren inhaftiert sind. In der JVA Detmold ist ein Häftling mit 48 Jahren und 2 Monaten unfreiwilliger Rekordhalter, wie aus einem Bericht des Justizministeriums an den Landtag hervor geht.

Ohne dass der Bericht des Ministeriums auf Einzelfälle eingeht, erklärt er die teilweise langen Haftzeiträume unter anderem mit der von einem Gericht zu verhängenden Sicherungsverwahrung. Sie ist zeitlich nicht befristet. Ein Häftling in Sicherungsverwahrung kann demnach nur dann entlassen werden, wenn er unter anderem keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr darstellt.

Wie aus der Auflistung des Ministeriums für den Rechtsausschuss des Landtags hervor geht, sitzen alleine in der JVA Werl 91 Langzeitinhaftierte ein. In Werl werden seit 2016 die Sicherungsverwahrten in NRW zentral untergebracht.

In einem Bericht an den Rechtsausschuss nennt die NRW-Landesregierung auch Zahlen, wie viele Häftlinge aus dem Strafvollzug entkommen sind. Demnach sind in NRW sind seit Juli 2017 sechs Gefangene aus dem geschlossenen und 492 Gefangene aus dem offenen Vollzug entkommen. Zurzeit sollen noch zwei Gefangene auf der Flucht sein, die in geschlossenen Anstalten saßen. Anstalten des offenen Vollzugs suchen noch nach 89 Gefangenen. 403 sind wieder aufgetaucht.

Laut der Statistik des Ministeriums sind alleine aus dem offenen Vollzug der JVA Bielefeld-Senne seit dem 1. Juli 2017 genau 159 Gefangene entwichen, von denen 18 bis heute verschwunden sind. In der JVA Castrop-Rauxel waren es 92 (noch 25 flüchtig), in der JVA Remscheid 86 Gefangene (noch fünf flüchtig). Wie lange die einzelnen Gefangenen weg waren, bevor sie freiwillig zurück kehrten oder gefunden wurden, konnte das Ministerium für den Bericht aus Zeitmangel nicht recherchieren.

Von den beiden Gefangenen, die aus dem geschlossenen Vollzug getürmt waren und bislang nicht gefunden wurden, war einer am 15. Januar 2018 bei seiner Abschlussprüfung zur Berufsausbildung aus einer Gärtnerei geflohen. Der zweite noch flüchtige Gefangene hatte sich am 15. August aus der JVA Bochum abgesetzt. Er hatte seinen Ausbruch als Sportwart vorbereitet und war mit einer Stangenkonstruktion über die Gefängnismauer gekommen.

(cka/dpa)
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