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Angaben der Landesregierung So viele Straftäter flüchten jedes Jahr aus Psychiatrien in NRW

Düsseldorf/Viersen · Wie viele Straftäter türmen jedes Jahr aus Psychiatrien in NRW? Das wollte die Opposition im Landtag wissen. Jetzt hat die Landesregierung Zahlen genannt - auch dazu, wie viele auf ihrer Flucht erneut Straftaten begehen.

Die Polizei fahndete nach dem geflohenen 37-Jährigen. Der stellte sich fünf Tage später den Behörden in Rheinland-Pfalz.

Die Polizei fahndete nach dem geflohenen 37-Jährigen. Der stellte sich fünf Tage später den Behörden in Rheinland-Pfalz.

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Die Zahl der Straftäter, die aus psychiatrischen Einrichtungen oder während eines Freigangs geflohen sind, ist von 95 im Jahr 2015 auf 167 im vergangenen Jahr gestiegen. Das geht aus einer Antwort von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag hervor. Insgesamt gelang demnach in diesem Zeitraum 1185 Personen die Flucht.

Innerhalb der vergangenen acht Jahre gab es also einen drastischen Anstieg um 74 Prozent bei der Zahl Geflohener. Laumanns Ministerium weist allerdings darauf hin, dass die Zahl der Entweichungen im vergangenen Jahrzehnt bezogen auf die Zahl der untergebrachten Personen nicht gewachsen ist. Ihr Anteil liege im Schnitt konstant bei vier Prozent pro Jahr.

Zum Ende des Jahres 2023 waren knapp 3700 Personen strafrechtsbezogen in psychiatrischen Einrichtungen untergebracht. Wie viele von ihnen unbegleiteten Ausgang haben, werde nicht statistisch erfasst, hieß es.

Sechs Prozent der zwischen 2019 und 2023 Entflohenen begingen den Angaben zufolge während ihrer Flucht Straftaten. Bei den gemeldeten Vorfällen handelte es sich in der Regel um Delikte wie Erschleichen von Leistungen, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, Diebstahl und Widerstand bei der Festnahme. „In zwei Fällen kam es zu räuberischen Erpressungen mittels Bedrohungen mit einem gefährlichen Gegenstand“, heißt es weiter.

Ziel der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder in einer Entziehungsanstalt sei die Resozialisierung, teilte die Landesregierung mit. Durch die Behandlung sollten mögliche Straftaten verhindert werden. Das Ministerium weist darauf hin, dass der Verurteilte durch die Unterbringung ein Sonderopfer für die Allgemeinheit erbringe und diese nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts „freiheitsorientiert und therapiegerichtet“ ausgestaltet werden müsse, sodass Lockerungen gewährt werden müssten, „sobald die prognostizierte individuelle Gefährlichkeit der untergebrachten Personen dies zulässt“.

Die AfD hatte die Flucht eines 37-Jährigen aus einer Klinik in Viersen Anfang Dezember zum Anlass genommen, sich nach dem Stand der sogenannten Entweichungen zu erkundigen. Wie aus der Antwort hervorgeht, war der 37-Jährige 2010 wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Nach der Haftzeit war er seit Juli 2017 in der LVR-Klinik in Viersen untergebracht. Seit August 2023 waren ihm unbegleitete Ausgänge erlaubt.

Von einem dieser Ausgänge kam der Mann am 11. Dezember jedoch nicht zurück. Fünf Tage später habe er sich nach anwaltlicher Beratung der Polizei in Andernach gestellt. Straftaten während seiner Flucht seien nicht bekannt geworden.

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