Bottrop: Land reagiert auf Krebsmittel-Skandal

Bottrop: Land reagiert auf Krebsmittel-Skandal

Laumann verlangt Information der von der Pantscherei betroffenen Patienten.

Der Fall um den Bottroper Apotheker, der im Verdacht steht, Krebsmedikamente im großen Stil verdünnt zu haben, erregte 2016 bundesweit Aufmerksamkeit. Als Konsequenz will NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) nun die Apothekenüberwachung verschärfen. Laumann verlangt nach den Bottroper Verfehlungen zudem die Information der von der Pantscherei betroffenen Patienten. "Wenn die Behörden die Ärzte und Krankenhäuser, die die Medikamente verabreichten, informiert haben, dann ist es auch deren Aufgabe, ihre Patientinnen und Patienten zu informieren. Ich finde, das ist für einen Behandler schlicht die Pflicht, dieses zu tun", sagte Laumann dem NDR-Magazin "Panorama" und dem Recherchezentrum "Correctiv". Er will nun die Adressen der betroffenen Patienten ausfindig machen und dafür sorgen, dass sie informiert werden.

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Anklage gegen den Apotheker erhoben. Sie geht davon aus, dass der Mann mehr als 1000 Krebspatienten zu schwach dosierte Medikamente gegeben, Extragewinne gemacht und die Gesundheit der Patienten gefährdet hat. Die Betroffenen sollen Mittel für Chemotherapien und andere Medikamente bekommen haben, die kaum oder gar nicht wirkten. Der Apotheker soll in etwa 62.000 Fällen Krebsmedikamente massiv verdünnt und die Krankenkassen um 56 Millionen Euro betrogen haben. Er sitzt derzeit wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen.

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Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft betonte, es sei schwierig nachzuweisen, ob alle Patienten oder welche von ihnen gestreckte Infusionen aus der Onkologie-Schwerpunktapotheke bekamen, und ob es Folgen hatte. Zur Frage, ob die Ermittler die Betroffenen hätten informieren müssen, sagte sie: "Die Aufgaben der Staatsanwaltschaft und der Gesundheitsbehörden sind nicht deckungsgleich."

In Deutschland versorgen rund 300 Onkologie-Schwerpunktapotheken Patienten nach erfolglosen Standardtherapien individuell mit Medikamenten. Patientenschützer sehen in dem NRW-Erlass einen ersten Schritt. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert zusätzlich eine Sammlung und stichprobenhafte Prüfung von Medikamentenrückläufern. "Es war überfällig, dass das Land NRW die Schwerpunktapotheken stärker kontrollieren will. Hier müssen die anderen Bundesländer umgehend nachziehen", fordert Vorstand Eugen Brysch.

(dpa)
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