Kunsträume in 70 Galerien

Kunsträume in 70 Galerien

Gemeinsam Freunde der Kunst zu locken – dieser Wunsch steckt hinter den "DC (Düsseldorf/Cologne) Open": Zum dritten Mal eröffneten rund 70 Düsseldorfer und Kölner Galerien am Wochenende ihre Ausstellungen zeitgleich bis abends. Ein Rundgang in Düsseldorf.

Ein Stuhl ist ein Stuhl ist ein Stuhl – nein, was da auf dem Podest der Galerie van Horn steht, ist ein fragiles Objekt aus Holz, Glasfaser, Polyesterharz und Pigment, das vorgibt, ein Stuhl zu sein. Es steht auf zarten Füßen, die Lehne läuft oben spitz zu, eine Sitzfläche gibt es nicht. "Figur 29" nennt es der junge Künstler Jochen Weber. "Er baut seine Werke ohne Skizze, es geht nicht um die Funktionalität", erklärt Galeristin Daniela Steinfeld, die die Arbeiten des 30-jährigen Weber mit Fotos des verstorbenen Leroy Grannis aus den 50er Jahren kombiniert. Da präsentieren amerikanische Beachboys stolz ihre Surfbretter, die ebenso aus Polyesterharz bestehen wie Webers Pseudo-Stühle und -Tische – eine spannende Kombination.

Die Galerie van Horn liegt am unteren Ende der Ackerstraße und damit am Tor zu Flingern, dem zweiten Schwerpunkt der DC Open neben der Altstadt. Hüben wie drüben pilgern Sammler, Kunststudenten, Künstler, aber auch Familien mit Kinderwagen von Galerie zu Galerie – unterwegs auf einer Entdeckungsreise. Sie führt etwa an die Flurstraße zur Galerie Cosar HMT – dort konzentriert sich alles auf die aktuellen Arbeiten von Stefan Kürten. Er malt in Tusche und Acryl Stillleben auf goldenem oder silbernem Grund, verlassene Gärten mit filigranen Zweigen, Ästen, Pflanzenstängeln vor Reihenhäusern oder Gebäuden im Bauhausstil. Geheimnisvoll, oft düster. Ganz profanen Dingen des Alltags widmet die schwedische Künstlerin Sofia Hultén ihre Ausstellung in der Galerie Konrad Fischer: Sie kaufte eine Autowerkstatt auf, und zeigt auf vier Fernsehmonitoren in wechselnden Filmsequenzen, was sie mit deren Einzelteilen anstellt. Da pulsiert durchsichtige Flüssigkeit durch Plastikschläuche wie Blut durch Adern, und eine Hand dreht einen Reifen auf dem Boden, bis er erbärmlich quietscht.

Ein Film steht auch bei Jasper de Beijer im Mittelpunkt seiner Schau in der Galerie TZR Kai Brückner. Allerdings ist es ein virtueller Rundgang durch eine Art Museum, bei dem der Betrachter mit Hilfe einer Spielekonsole selbst seine Schritte steuert. Die Bilder, die an den Wänden hängen, werden im Vorübergehen dreidimensional, verändern sich. Sie sind ebenso wenig greifbar wie die Gemälde des Künstlers, der in prominenten Sammlungen wie etwa dem Gemeente Museum Den Haag vertreten ist: "Es geht ihm um den Prozess des Erinnerns. Man setzt seine Erinnerungen ja auch immer wieder aus neuen Bildern zusammen, und etwas Ähnliches strebt de Beijer mit seinen Werken an. Diesmal befassen sie sich mit der afrikanischen Kolonialvergangenheit der Niederlande", sagt Galerist Brückner. "Er recherchiert dafür in Bildarchiven, setzt gefundene Motive neu und irritierend zusammen."

Irritieren will auch die Foto-Künstlerin Claudia Rogge, allerdings mit anderen Mitteln: Die Gäste ihrer Ausstellung in der Galerie Voss steigen erst über eine schwarze Treppe, die von "Höllenhunden" (in Wirklichkeit braven Doggen) bewacht wird. Dann kommen sie zu den üppigen Szenarien, die Rogge – inspiriert von Dante Alighieris "Göttlicher Komödie" – arrangiert hat. Da wälzen sich die nackten Verdammten zuhauf im Schlamm der Hölle, während sie sich auf einem der Bilder, die den Himmel symbolisieren, verzückt den Wolken entgegenstrecken. "Ich werde inzwischen von Menschen angeschrieben, die bei diesen Arrangements mitmachen möchten", erzählt Claudia Rogge.

(RP)