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Zwischen Mensch und Maschine

Kunst im Kai 10 : Die Chemie zwischen Mensch und Maschine

Wie verändern sich zwischenmenschliche Beziehungen im digitalen Zeitalter? Diese Frage versuchen zehn Künstler in der Ausstellung „Something between us“ zu beantworten.

Nichts ist so kompliziert wie zwischenmenschliche Beziehungen. Twitter, Facebook und Co. helfen da nicht besonders, sie machen die ganze Sache eigentlich nur noch komplexer: Der Mensch möchte sich individualisieren, herausstechen aus der Masse, unabhängig sein, und trotzdem braucht er Nähe, Fürsorge und Sicherheit. Wie das in Zeiten der Digitalisierung zusammenpasst, haben sich zehn Künstler aus aller Welt gefragt; die Arbeiten sind in der neuen Ausstellung „Something between us“ im Kai 10 zu sehen.

Dabei geht es nicht nur um soziale Netzwerke, auch Künstliche Intelligenz, Transparenz, Privatsphäre und Selbstoptimierungsdruck verändern das Miteinander: „Lassen sich Beziehungen auch zu nicht-menschlichen Akteuren aufbauen? Und wenn ja, wie verändert sich dadurch unsere Vorstellung von Leben und Tod?“. Das sind Fragen, die sich die Künstler gestellt haben. Jeder hat das Thema für sich interpretiert und sein eigenes Medium genutzt – mit Malereien, Zeichnungen, Fotografien, Filmen Sound- und Neoninstallationen ist eine Ausstellung zustande gekommen, die ziemlich abwechslungsreich ist.

So wie die skulpturalen Installationen der Künstlerin Alice Musiol zum Beispiel. Sie nähte den Satz „Is a happy life different from a meaningful one?“ auf ein großes Stück Stoff, der durch die Größe und Präsenz der Installation irgendwie tiefsinnig wirkt, so, als ob man ihn für sich beantworten müsse. Tatsächlich handelt es sich um einen Post aus den sozialen Medien – wenn man das weiß, scheint die Frage wie ein Klischee. Wie ein Medium eine Botschaft verändern kann, auch das zeigen Musiol und viele weitere Künstler der Ausstellung.

In der Installation „If looks could kill“ von der Schweizerin Luzia Hürzeler befindet man sich zwischen zwei gegenüberliegenden Videoprojektionen: Auf der einen Seite die Künstlerin, die auf den Betrachter zielt und mehrmals schießt, ohne zu treffen. Auf der anderen Seite zwei Männer, die einen Bullen mit einem Bolzen betäuben und anschließend töten. Eine Arbeit, die polarisiert. Obwohl diese Tötungsmethode als tiergerechteste gilt, wenden sich viele ab, wollen sich das Sterben nicht ansehen. „Mich interessiert der Moment, in dem ein Lebewesen zum Objekt wird“, sagt Hürzeler. Wertend sei ihre Arbeit nicht. Aber auch sie möchte zeigen, wie die Umgebung die Wahrnehmung beeinflusst: „Solche Bilder werden tagtäglich in den Medien gezeigt und wirken gar nicht mehr so schockierend. Das ändert sich hier im musealen Kontext“, sagt sie.

Malerin Vivien Greven stellt in ihren Bildern das Verhältnis von Nähe und Distanz dar: „Das Eine hat das Andere immer als Gegenüber“, sagt sie. Inspiriert wurde sie von Antonia Canovas „Drei Grazien“, und so sehen ihre Bilder auch aus: Man weiß nicht so recht, ob es sich um reale Personen oder Skulpturen, um alltägliche Situationen oder Kunstgeschichte handelt. Greven zeigt immer nur Körperfragmente, manchmal auch Gesichter, die sich nur sanft berühren und trotzdem sinnlich wirken.

Die Installation des aus Nordamerika stammenden Künstlers Warren Neidich ist alles andere als sinnlich. Neonleuchtschriften hängen von der Decke, ein Wirrwarr aus Worten und Prothesen, die im Zweiten Weltkrieg von verwundeten Soldaten getragen wurden. Da steckt eine Menge drin, unter anderem der Übergang unserer Gesellschaft von einer industriellen zu einer kognitiv kapitalistischen und die Gefahren künstlicher Intelligenz.