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Wuppertal will Bilder von Cornelius Gurlitt zurück

Spektakulärer Kunstfund : Wuppertal will Gurlitt-Bilder zurück

Das Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum fordert als eines der ersten Museen möglichen früheren Besitz aus der Sammlung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt zurück. Der Kunstsammler will offenbar keinen Termin zur Übergabe der Bilder machen.

Das Museum habe einen Brief an die zuständige Staatsanwaltschaft in Augsburg geschrieben, sagte Museumsdirektor Gerhard Finckh. Er habe dem Brief eine Liste mit rund 500 Werken beigefügt, die die Nationalsozialisten 1937 im Zuge der Aktion "Entartete Kunst" in den Vorläuferinstitutionen des Von-der-Heydt-Museums beschlagnahmt hatten.

Dies waren die Kunstvereine Barmen und der Museumsverein Elberfeld, die 1947 mit ihren Sammlungen fusioniert wurden. "Sofern davon Werke in der Sammlung Gurlitts sind, wollen wir die zurückhaben", sagte Finckh.

Er begründete die Forderung damit, dass die Kunstvereine in Elberfeld und Barmen privat geführt worden seien und somit ein Rechtsanspruch auf die Rückgabe möglicher Werke bestehe. Bislang gilt die Rechtsauffassung, dass die 1937 in den Museen beschlagnahmte Kunst nicht zurückgefordert werden kann, weil die Konfiszierung durch das Einziehungsgesetz von 1938 legitimiert worden war. Dieses Gesetz wurde nach 1945 nicht aufgehoben.

1937 wurden aus dem Städtischen Museum Wuppertal, das aus dem Elberfelder Museumsverein hervorgegangen war, 56 Gemälde und mehr als 350 Arbeiten auf Papier beschlagnahmt. Aus dem Barmer Kunstverein wurden 85 Kunstwerke geholt.

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Der Münchner Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat nach Angaben der Behörden bislang keinen Termin zur Übergabe seiner Bilder vereinbaren wollen. "Es ist so, dass sich der Beschuldigte bislang nicht bereiterklärt hat zu einer Terminvereinbarung", sagte der Münchner Generalstaatsanwalt Christoph Strötz gestern im Kunstausschuss des bayerischen Landtags. Die Behörden hätten den Kontakt zu ihm "über einen bestimmten Zeitraum gepflegt".

Auch für die Taskforce "Schwabinger Kunstfund" war Gurlitt bislang nicht zu erreichen. "Für ein Gespräch braucht man einen Gesprächspartner", sagte die Leiterin der Expertengruppe, Ingeborg Berggreen-Merkel. "Ich habe versucht, ihn zu erreichen, es ist mir aber bislang nicht gelungen."

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte vor einer Woche erklärt, Gurlitt rund 300 Bilder aus seiner — je nach Zählweise — 1406 oder 1280 Werke umfassenden Sammlung zurückzugeben, die ihm zweifelsfrei gehören. Das sind nach Angaben von Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) Bilder, die Mitglieder der Familie Gurlitt selbst angefertigt haben oder die erst nach 1945, nach dem Ende des Nazi-Regimes, entstanden sind.

Die Sitzung des Landtags-Ausschusses war das erste Mal, dass der Fall, der längst politische Bedeutung über die Grenzen Deutschlands hinaus erlangt hat, auf dem politischen Parkett behandelt wurde. Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) erstattete den Abgeordneten umfassend Bericht und kritisierte schwere Mängel im Umgang der Behörden — auch seiner eigenen — mit dem spektakulären Fund.

(DPA)